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Wie verändern digitale Technologien Gesellschaft und (internationale) Politik und wie ist Widerstand möglich?
Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs „Medien der Kooperation“ untersucht digitale Macht und neue Formen demokratischen Handelns
KI, Kriege und Rechtsruck stellen aktuell drängende Fragen. Sie alle sind mit digitalen Medientechnologien verbunden. Die Jahrestagung verbindet sozialen Medien, Robotik und KI mit Geopolitik, Künstlicher Intelligenz und der Macht sozialer Medien.
→ Interview mit Sprecherin Carolin Gerlitz
Über die Jahrestagung
Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1187 „Medien der Kooperation“ erforscht die Rolle von Medien und digitalen Technologien für gesellschaftliche Zusammenarbeit. Die diesjährige Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs trägt den Titel „Politics of Cooperative Sensing. Techfascism, War, Geopolitics, and Resistance“ und bringt Wissenschaftler*innen, Filmschaffende, Journalist*innen und Aktivist*innen zusammen, um den Blick auf die politischen Bedingungen digitaler Kooperation zu richten.
Soziale Netzwerke und künstliche Intelligenz (KI) prägen, wie politische Ereignisse vermittelt und öffentliche Debatten geführt werden. Digitale Plattformen werden dabei zur Verbreitung von Desinformation und für politische Einflussnahme genutzt. Ihre technischen Strukturen eigen sich besonders dafür, (algorithmische) Diskriminierung sowie rechte, rassistische oder antifeministische Desinformationskampagnen gezielt zu verbreiten und zu stärken. Die Tagung untersucht diese Entwicklungen ebenso wie die Möglichkeiten, ihnen durch Protest und politischem Engagement zu begegnen.
Digitale Medien sind längst mehr als Werkzeuge der Kommunikation. Sie beeinflussen, welche Informationen sichtbar werden und wer öffentliche Debatten prägen kann. Gleichzeitig beruhen sie auf technischen Infrastrukturen, die Ressourcen benötigen und mit Fragen nach Klimafolgen und Überwachung verbunden sind. Die Vortragenden fragen deshalb nicht nur nach neuen Formen digitaler Macht, sondern auch danach, wie Menschen Technologien kritisch nutzen können.
In sieben Vorträgen, drei Workshops, zwei Filmvorführungen und einer Lecture Performance erörtern die Beitragenden aus Siegen, Köln, Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Weimar, Hamburg, Mariupol, Kyiv, Teheran, Dublin und Berlin verschiedene Aspekte dieser Thematiken. Die internationale Tagung verbindet Perspektiven aus Medienwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kulturwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Soziologie mit Positionen aus Dokumentarfilm und Investigativem Journalismus. Die politischen und gesellschaftlichen Folgen digitaler Technologien werden so aus unterschiedlichen Fachdisziplinen diskutiert.
Besondere Höhepunkte des Programms sind die Lecture Performance „Fault Line: Survival as Unrest“ von Azadeh Ganjeh sowie zwei Panels zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen, etwa dem Zusammenspiel von Technologiekonzernen und faschistischen Bewegungen sowie der Frage, wie geopolitische Konflikte mithilfe verschiedener Medientechnologien dargestellt und verhandelt werden. Das erste Panel „Technocooperations“ untersucht, wie digitale Plattformen, Infrastrukturen und KI Arbeitsbedingungen, politische Debatten und gesellschaftliche Beziehungen verändern. Das zweite Panel „Sensory Conflicts and Mediated Wars“ fokussiert Themen wie Überwachung und digitale Infrastrukturen im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Zwei Filmvorführungen ergänzen das Programm um persönliche und dokumentarische Perspektiven auf Krieg, Gewalt und Widerstand. „War Songs“ erzählt als dokumentarisches Musical anhand von Liedern und Melodien die Geschichte von Krieg und Pazifismus in Mariupol. „Teen Angst“ begleitet neun junge Ukrainerinnen, die mit ihren Smartphones ihren Alltag während des russischen Angriffskriegs dokumentieren. In persönlichen Geschichten von Angst, Trennung, Hoffnung und Widerstandskraft gibt der Film Einblicke in das Erwachsenwerden unter den Bedingungen des Krieges.
Ein besonderer Anlass ist außerdem die Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Erhard Schüttpelz, die mit einer Laudatio von Prof. Dr. Rembert Hüser verbunden ist.
Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Wir bitten um Anmeldung unter: https://www.mediacoop.uni-siegen.de/en/annual-conference-2026/#Registration
Termin: 11.–13. November 2026
Ort: Universität Siegen
Veranstalter: Sonderforschungsbereich 1187 „Medien der Kooperation“
Programm: https://www.mediacoop.uni-siegen.de/en/annual-conference-2026/
Der SFB lädt herzlich zur mündlichen Prüfung im Promotionsverfahren von Yarden Skop ein. Die Disputation findet am Donnerstag, 10 Dezember 2026, zwischen 13:00 und 15:00 Uhr statt.
Im Rahmen der Disputation werden die Ergebnisse der Dissertation von Yarden Skop vor der Prüfungskommission präsentiert und wissenschaftlich verteidigt. Der Titel ihrer Dissertation lautet: “Making Online Speech Governable: Problematizations, Platforms, and Publics in Algorithmic Moderation Infrastructures”.
How is problematic speech online turned into something a machine can detect? Drawing on multi-sited ethnographic fieldwork across content moderation teams on news websites, fact-checking organizations and EU-funded AI consortia, Yarden Skop examines how counter-hate speech and counter-disinformation initiatives problematize speech in distinct ways in order to operationalize these definitions through ML technology. The media studies project follows four cases: Google’s Perspective API, Meta’s Third-Party Fact-Checking program, Full Fact and its Alpha tool, and the EU Horizon-funded VeraAI project. It draws on interviews, event ethnography and on participant observation of participatory design workshops.
At its core are the research questions:
Who and what constitutes speech problems online, such as disinformation and hate speech – where did they come from, what are their specific constructions in the domains in which they are problematized?
Second, What forms of governing practices and social regulation are enabled when defining the problems as such?
Third, How are these governing practices executed in the building of software and machine learning tools for mediating said problems?
The central thesis of the dissertation is that definitions of problematic speech are not settled before technologies are built but are enacted, narrowed and stabilized in the tools, data practices and funding arrangements that claim to only apply them. These decisions are not neutral, and taken together, these projects can be seen as “moral infrastructures” built to define, identify and enforce the boundaries of acceptable speech.
Das Dissertationsprojekt ist Teil des Integrierten Graduiertenkollegs des SFB und Skop ist Mitglied des Projekts A07: „The Industry of Personal Data“.
Die Prüfung wird auf Englisch durchgeführt und steht unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Carolin Gerlitz (Erstgutachterin), Assoc. Prof. Dr. Bernhard Rieder (Zweitgutachter), Prof. Dr. Marcus Burkhardt (Mitglied der Prüfungskommission) und Prof. Dr. Dagmar Hoffmann (Mitglied der Prüfungskommission).
Die Wiederkehr des Konnektionismus. Theorie und Geschichte künstlicher Intelligenz
von PD Dr. Sebastian Gießmann (Universität Siegen, SFB)
Wie verändern die historischen Wiederkehrbewegungen des Konnektionismus unser Verständnis von künstlicher Intelligenz, Medien und Kulturtechniken? In diesem Working Paper untersucht Sebastian Gießmann die theoretischen und historischen Grundlagen künstlicher Intelligenz aus der Perspektive der Medientheorie und Technikgeschichte. Das Paper analysiert, wie die Wechselbeziehungen zwischen symbolischer KI und induktiven konnektionistischen neuronalen Netzen unsere Medienumgebungen prägen, untersucht, inwieweit datenintensive und statistisch operationalisierte Netzwerke unsere anthropologischen sowie semiotischen Strukturen herausfordern, und entwirft eine Genealogie, um KI zwischen Natur und Kulturtechniken neu zu verorten.
Über das Working Paper
Auf welche Zukunft in welchen neuen Umgebungen muss sich die Medien- und Kulturtechnikforschung angesichts der rezenten Konjunktur von Künstlicher Intelligenz ausrichten? Der Beitrag kommt hierzu auf eine grundsätzliche Frage von Marcel Mauss zur Konstitution von Techniken zwischen speziellen und allgemeinen Zwecken zurück.
Er bietet, erstens, eine kurze Lagebeschreibung zur gegenwärtigen Entwicklung des maschinellen Lernens und neuerer KI zwischen Spezialisierung und Universalisierung. Kern meiner Argumentation ist, zweitens, eine natur- und kulturtechnische Genealogie. Sie fragt nach der historischen Wiederkehr konnektionistischer Praktiken, Algorithmen, Denk- und Handlungsstile als Bedingung der aktuellen KI-Technologien. Wie konnten aus biologischen Neuronen artifizielle neuronale Netze werden, die als infrastrukturelle Grundierung Künstlicher Intelligenz fungieren? Auf dem Spiel stehen dabei, drittens, die Medien selbst. Sie werden aufgrund der Naturalisierung und Habitualisierung von konnektionistischer KI zu statistisch operationalisierten, datenintensiven Netzwerken.
Über den Author
Sebastian Giessmann ist Akademischer Oberrat am Seminar für Medienwissenschaften an der Universität Siegen und Teilprojektleiter von A01 „Digitale Netzwerktechnologien zwischen Spezialisierung und Generalisierung“ im Sonderforschungsbereich 1187 –„Medien der Kooperation“.
Über die Working Paper Series
The Working Paper Series of SFB 1187 “Media of Cooperation” brings together current contributions from the field of interdisciplinary and transdisciplinary media research. The SFB Working Paper Series offers the opportunity for pre-publication and rapid dissemination of research work currently being carried out at the SFB or related to it. The aim of the series is to make SFB research accessible to a broader research community. Publication in the Working Paper Series does not preclude the publication of revised versions of the same contribution in other journals. Contributions from postdocs and established researchers are welcome. The series is intended as a publication forum for the researchers represented in the SFB, their projects, and their ongoing research. Contributions are published in open access and in a limited print edition. If you would like to publish an article in the Working Paper Series, please submit your topic proposal in the form of an abstract (max. 300 words) together with a short CV (max. 50 words). For manuscript submission, please refer to our styleguide.
Funded by the German Research Foundation (DFG) – Project number 262513311 – SFB 1187. Editorial responsibility: Karina Kirsten, University of Siegen & SFB 1187 Media of Cooperation.
A Special-themed collection with the journal Platforms & Society
Out now! Special-themed collection “Ambient Amplification: Memecry Across Platforms,” with Platforms & Society, edited by Elena Pilipets and Marloes Geboers and including 10 individual articles
→ read the editorial introduction
What comes into focus when we approach memes through the affective interplay of user practices and algorithmic systems? The editorial introduction to Volume One situates the collection’s ten methodological and conceptual reflections around a series of shifts that “foreground the background” of contemporary platform cultures: from viral events toward surrounding adaptations and remixes; from metrics to affinity-based algorithmic approximation; from memes as content to vibe-based riffing on affective orientations; and from visibility to ambiguity resistant to quantification.
Please find links to the individual articles below. Happy reading, and stay tuned for the forthcoming call for contributions to Volume Two!
All contributions:
- Elena Pilipets and Marloes Geboers Ambient Amplification: Memecry Across Platforms
- Susanna Paasonen Affect and memes: Ambiguity abounds
- Stijn Peeters and Tom Willaert ‘Dark metrics’ and the mainstreaming of political extremism on Dutch-speaking Telegram
- Nicola Righetti and Richard Rogers Coordinated inauthentic behaviour on Facebook? A typology of manufactured attention
- Sal Hagen, Daniël de Zeeuw, and Tommaso Venturini Digital rhythmanalysis: Studying memetic and affective rhythms on the post-viral Web
- Marcus Bösch and Tom Divon Dancing in uniform: Thirst trap propaganda in military image wars on TikTok
- Boris Noordenbos and Marc Tuters The counter-hegemonic hegemon: A cross-platform analysis of a Kremlin-backed strategic narrative
- Marloes Geboers, Elena Pilipets, Idil Galip and Julia Bee Amplification, communities, platforms: Reclaiming space with Idil Galip and Julia Bee
- Jing Zeng, Qinghao Guan, Ariadna Matamoros-Fernández, and Xiran Liu How do multi-modal large language models understand non-English visual hate?
- Fraser Crichton and Guillén Torres (Re)Generating Hate
- Elena Pilipets and Marloes Geboers Synthetic imaginaries of “sensitive” AI: On ambient amplification and jail(break)ing as method
Der SFB lädt herzlich zur mündlichen Prüfung im Promotionsverfahren von Hoa Mai Trần ein. Die Disputation findet am Dienstag, den 20.10.2026, von 10:00 bis 12:00 Uhr im Raum AR-E 4112 (OASE Lernwerkstatt) in der Adolf-Reichwein-Str. 2, 57068 Siegen statt.
Im Rahmen der Disputation werden die Ergebnisse der Dissertation von Hoa Mai Trần vor der Prüfungskommission präsentiert und wissenschaftlich verteidigt. Der Titel ihrer Dissertation lautet: „Das virtuelle Selbst im Zwischenraum: Eine ethnografische Kindheitsforschung zu Existenzweisen von Kindern im digitalen Spiel“.
Wo beginnt „das Kind“ im digitalen Spiel und wo hört es auf? In ihrer dreijährigen ethnografischen Feldforschung mit drei Familien aus Deutschland untersucht Hoa Mai Trần die Erlebnisse von Kindern während des digitalen Spiels. Die erziehungswissenschaftliche Studie fragt wie sich im Spiel die Grenzen zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“ verschieben.
Im Zentrum steht die Forschungsfrage: Wie wird hybrides Da-Sein von Kindern beim digitalen Spielen hervorgebracht? Die These der Arbeit lautet, dass Kinder über ihre fleischlich-physischen Körpergrenzen hinaus da-sein bzw. existieren können. Zwischen Fühlen, Werden und Sterben entfaltet sich im Spiel ein Zwischenraum, in dem sich hybride, lebendige Existenzweisen von Kindern zeigen. Das Spiel von Kindern wird zu einer bedeutsamen, spürbaren und dynamischen (Zwischen)Realität. Die durch Kind und Spiel wechselseitig erzeugten Entgrenzungsphänomene ermöglichen, je nach Spielsituation, temporäre bzw. aktualisierbare Selbst- und Weltentfaltungsweisen und tragen zur Genese des virtuellen Selbst bei. Das virtuelle Selbst ist kein digitales Abbild des Kindes im Spiel, sondern die im Spiel hervorgebrachte, digital materialisierbare und mehr oder weniger personalisierbare Vorstellung, etwas bzw. jemand zu sein oder werden zu können. Digitale Spiele sind bewohnbare Orte von Kindheit, die individuelle, soziale, bildungspolitische und ökonomische Tragweite für Kinder und Gesellschaft haben.
Das Dissertationsprojekt ist im Teilprojekt B05: (Frühe) Kindheit und Smartphone angesiedelt. Die Prüfung wird auf deutsch gehalten und von Prof. Dr. Jutta Wiesemann (Erstgutachterin), Prof. Dr. Jochen Lange (Zweitgutachter) und Prof. Dr. Chantal Munsch (Prüfungskommissionsmitglied) abgenommen.
Der SFB lädt herzlich zur Abschiedsvorlesung von Prof. em. Erhard Schüttpelz, der sich im Oktober 2025 in den Ruhestand verabschiedet hat. Er war Begründer und einer der prägenden Wissenschaftler des SFB. In seiner Abschiedsvorlesung präsentiert und diskutiert Erhard Schüttpelz seinen Filmessay „General Marseille“, den er zusammen mit Anja Dreschke und Carlo Peters produziert hat. Prof. Rembert Hüter hält anschließend die Laudatio. Anschließend lädt der SFB zum Umtrunk.
Veranstaltungsort
Universität Siegen
Campus Unteres Schloss
US-C 115
Über Erhard Schüttpelz
Erhard Schüttpelz, geboren 1961 in Haldern (jetzt Rees), studierte in Hannover, Exeter, Bonn, Köln und Oxford (St. Johns) und promovierte 1994 an der Universität Bonn. 1994/95 war er Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der Columbia University, New York. 1996 bis 1998 war er Postdoktorand am DFG-Graduiertenkolleg Theorie der Literatur und Kommunikation der Universität Konstanz; 1998 bis 2003 Wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Vorbereitung und dann am Sonderforschungsbereich Medien und kulturelle Kommunikation der Universitäten Köln, Bonn und Aachen. Seine Habilitation erfolgte 2003 an der Universität Konstanz, dort war er von 2003 bis 2005 Wissenschaftlicher Koordinator der Forschungsstelle Kulturtheorie und Theorie des Politischen Imaginären aus den Mitteln des Leibniz-Preises für Albrecht Koschorke. 2005 war er Fellow am IFK (Wien). Seit 2005 ist er Professor für Medientheorie an der Universität Siegen. Hauptantragsteller des DFG-Graduiertenkollegs Locating Media und des Sonderforschungsbereichs Medien der Kooperation. 2012-2016 Gewähltes Mitglied des Fachkollegiums 103 der DFG, 2018-2022 Mitglied des Hochschulrats der Universität Siegen. Daneben hatte er Fellowships in Weimar, Konstanz, Berlin (FU), Münster und am Center for Advanced Studies – Erlangen.
Seine Interessen sind philologischer und kulturwissenschaftlicher Natur. Sie führten ihn zuerst von der strukturalistischen Literaturtheorie zur Sprachtheorie der rhetorischen Figuren, voller Sympathie für unmögliche Synthesen, die den Graben zwischen kontinentaler und analytischer Philosophie hätten zuschütten können, für Grenzgänger quer zu den Disziplinen, für Wissenschaftsgeschichte der Humanities nach Maßgabe der Science and Technology Studies, und für Figuren des Übergangs, Grenzobjekte, Trickster, Störungen, Bilder. Seine Heimat fand er in der zwischenzeitlich entstandenen deutschen Medienwissenschaft – von der er sagt, sie sei »ein Fach, das ich weder hätte studieren noch mir besser hätte ausdenken können, um meinem Interesse an Kooperationsmöglichkeiten nachzugehen«.
Zu seinen Filmen und Büchern zählen u.a. ein Film mit dem Arbeitstitel Gaabi Cirey! und der Stimme von Hanns Zischler (mit Anja Dreschke und Carlo Peters), der Film A Kind of World War (mit Anselm Franke, 2021), online unter: https://www.hkw.de/de/app/mediathek/video/84649 und die Bücher Eine Art Weltkrieg / A Kind of World War (mit Anselm Franke, Berlin, Haus der Kulturen der Welt, 2021), Die Moderne im Spiegel des Primitiven. Weltliteratur und Ethnologie 1870-1960 (München 2005), Deutland (Berlin 2023) sowie Medium, Medium: Elemente einer Anthropologie (Berlin 2025). Aus einer Konferenz am Warburg-Haus 2002 ging sein gemeinsam mit Cora Bender und Thomas Hensel herausgegebener Band »Schlangenritual«. Der Transfer der Wissensformen vom Tsu’ti’kive der Hopi bis zu Aby Warburgs Kreuzlinger Vortrag (Berlin 2007) hervor.
Mit der Ehrung verbunden ist ein Festvortrag von Erhard Schüttpelz im Lesesaal des Warburg-Hauses, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 stattfinden wird. Der Termin wird mit der Einladung der Aby-Warburg-Stiftung zum Festvortrag bekanntgegeben.

Wie wird urbane Mobilität durch Leihfahrräder, E-Scooter und app-basierte Mobilitätsdienste verändert? Und wer gestaltet eigentlich die Bedingungen, unter denen geteilte Mikromobilität in der Stadt funktioniert?
Diesen Fragen widmet sich der Workshop „Geteilte Mikromobilität – wer (ver-)teilt was?“, der am 17. und 18. September 2026 in Köln stattfindet und vom Projekt A03 „Navigation in Online-/Offline-Räumen“ organisiert wird.
Das Programm des zweitägigen Workshops ist nun online einsehbar.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Infrastrukturen, Technologien, Datenströme und Akteure, die geteilte Mikromobilität ermöglichen. Gemeinsam soll auch untersucht werden, wie unterschiedliche Menschen diese Mobilitätsangebote erleben und welche Perspektiven, Bedürfnisse und Interessen dabei sichtbar werden oder bislang unberücksichtigt bleiben.
Die während des Workshops entstehenden Beobachtungen und Diskussionen werden gemeinsam mit Künstlerinnen und Designern dokumentiert und sollen in einen öffentlich zugänglichen Bericht zu den „Seams“, also den Nahtstellen, Bruchstellen und Übergängen der geteilten Mobilität in Köln einfließen.
Mediengeographie: Handbuch für Wissenschaft und Studium
von Tristan Thielmann (Universität Siegen, SFB) und Max Kanderske (SFB)
Das Forschungsfeld der Mediengeographie ist an der Schnittstelle von Medienwissenschaft und Humangeographie angesiedelt. Ziel des Handbuches ist es, die Entwicklung der Mediengeographie nachzuzeichnen und das aktuelle Forschungsfeld in seiner Breite abzubilden – angefangen bei der Buchgeographie über die Film- und Computerspielgeographie bis zur Internet-, Smartphone- und KI-Geographie.
Über das Buch
Das Internet der Dinge, Big Data, Drone Media, Künstliche Intelligenz, Mobile GIS, Sensored Life: Geodaten erfassen immer mehr unser Alltagsleben und den Wissenschaftsdiskurs. Das im Nomos-Verlag erschienene Handbuch bietet einen umfassenden Überblick zu aktuellen Forschungsfragen, die sich entlang des Schnittfelds von Geographie und Medien entfalten. Es liefert einerseits gegenstandszentrierte Überblicksartikel, andererseits versammelt es programmatische Beiträge, die sich als wegweisend für das Forschungsfeld erwiesen haben. Mit Beiträgen von u.a. Bruno Latour, Tim Ingold, Karen Caplan, Sarah Pink, Mark Andrejevic, James Ash und Jessica McLean. Einen Überblick liefert die Einleitung, die unter academia.edu abrufbar ist.
Die Arbeit des Sonderforschungsbereichs 1187 „Medien der Kooperation” bildet sich in gleich mehreren Beiträgen des Handbuchs ab: Tristan Thielmann widmet sich als Leiter des Projekts P04 „Precision Farming: Ko-operative Praktiken des Virtual Fencing“ dem Feld der digitalen Tiergeographie, Sebastian Gießmann, Leiter des Projekts A01 „Digital-vernetzte Medien zwischen Spezialisierung und Universalisierung”, zeichnet die historischen Entwicklungslinien der Internetgeographie nach und Max Kanderske, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt A03 „Navigation in Online/Offline-Räumen”, führt in die Praktiken und Diskurse digitaler Echtzeitgeographie ein.
Weitere Informationen können dem Interview mit den Herausgebern entnommen werden.
Universitätsangehörige haben in Kürze über inlibra Zugriff auf die digitale Ausgabe des Handbuchs.
Über die Autoren
Tristan Thielmann ist Professor für Science, Technology and Media Studies an der Universität Siegen und stellvertretender Sprecher des SFB 1187 „Medien der Kooperation“. Darüber hinaus ist er Projektleiter der Projekte A03 – Navigation in Online/Offline-Räumen und P04 – Precision Farming: Ko-operative Praktiken des Virtual Fencing. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Mediengeographien, Medien- und Technikgeschichte, Navigation Studies sowie kulturelle Kartographien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen zudem Ethno- und Technomethodologien sowie die Untersuchung von Medien und Technologien in räumlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Max Kanderske ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt A03 „Navigation in Online/Offline Spaces“ des Siegener SFB „Medien der Kooperation“. Abseits des Navigationellen gilt sein Forschungsinteresse sensormedialen Environments und digitalen Spielräumen. Er ist Mitherausgeber des Game Studies Journals „Spiel|Formen“.
Beyond Informed Consent: Consumer Data Preferences and the Case for Enforcement-Oriented Transparency
von Prof. Dr. Maximilian Becker & Catalina Goanta (Universität Siegen, SFB)
Wie verändern Digitalisierung und künstliche Intelligenz die Strukturen des Privatrechts? In diesem Working Paper untersucht Maximilian Becker die rechtlichen Herausforderungen digitaler Technologien aus der Perspektive des Bürgerlichen Rechts. Der Beitrag analysiert, wie datengetriebene Systeme, algorithmische Entscheidungsprozesse und neue digitale Geschäftsmodelle bestehende privatrechtliche Strukturen beeinflussen und fragt, inwiefern das geltende Recht den Anforderungen der digitalen Transformation gerecht werden kann.
→ Link Working Paper
Über das Working Paper
Digital markets have fundamentally altered the conditions under which consumers engage with data-driven platforms, yet regulatory frameworks, particularly in the EU, continue to rely on consent-based models that presuppose a level of technological literacy and informed agency that most users do not possess. Drawing on existing empirical evidence from five studies across the US, UK, and EU, this paper departs from the empirical argument that consumer preferences regarding personal data are highly unstable and shaped by framing and trust rather than genuine, well-formed values.
Consumers systematically overestimate the privacy protections offered by paid services, accept personalization without understanding its commercial scope, and disregard privacy notices regardless of their clarity. This argument exposes the structural failure of transparency-as-disclosure as a regulatory strategy: informing consumers better does not fix markets distorted by asymmetric information and complex, layered business models.
Rather than doubling down on consumer-facing transparency obligations, this paper proposes a shift toward enforcement-oriented business-model transparency, under which platforms would be required to disclose aspects such as data flows, monetization strategies, but also algorithmic processes to regulatory authorities and civil society. The Digital Services Act and the General Data Protection Regulation already point somewhat in this direction. Building on this logic, the paper proposes further machine-readable transparency as a complement to existing information obligations.
Über die Autoren
Prof. Dr. Maximilian Becker ist Professor für Bürgerliches Recht, Immaterialgüterrecht und Medienrecht an der Universität Siegen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bürgerlichen Recht mit Bezügen zum Medizin-, Daten- und Informationstechnologierecht sowie im IT-, Medien- und Wettbewerbsrecht. Er studierte Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht an der Universität Siegen und promovierte dort 2012 mit einer Arbeit zu „Absurden Verträgen“. Nach einer Juniorprofessur an der Universität Siegen und einer Professur für Datenschutzrecht und IT-Recht an der Leibniz Universität Hannover ist er seit 2021 Professor an der Universität Siegen. Darüber hinaus ist er Teilprojektleiter des Projektes „A07 – „Industrie der Personendaten“ am SFB 1187 Medien der Kooperation (Universität Siegen).
Catalina Goanta is an Associate Professor in Private Law and Technology and Principal Investigator of the ERC Starting Grant HUMANads, focused on understanding the impact of content monetization on social media and on reinterpreting private law fairness in the context of platform governance. Between 2016-2021 she was Assistant Professor at the Faculty of Law at Maastricht University, and during February 2018 – February 2019, she was a Niels Stensen fellow and visited the University of St. Gallen (The Institute of Work and Employment) and Harvard University (The Berkman Center for Internet and Society). She has been a mercator fellow at the SFB since 2025.
Über die Working Paper Reihe
Die Working Paper Series des SFB 1187 „Medien der Kooperation“ versammelt aktuelle Beiträge aus dem Umfeld der inter- und transdisziplinären Medienforschung. Die SFB Working Paper Series bietet die Möglichkeit einer Vorveröffentlichung und schnellen Verbreitung von am SFB laufenden oder ihm nahestehenden Forschungsarbeiten. Ziel der Reihe ist es, die SFB-Forschung einer breiteren Forschungsgemeinschaft zugänglich zu machen. Die Veröffentlichung in der Working Paper Series schließt die Publikation überarbeiteter Versionen desselben Beitrags in anderen Zeitschriften nicht aus. Beiträge von Postdocs und etablierten Wissenschaftlicher*innen werden begrüßt. Die Reihe versteht sich als Publikationsforum für die im SFB vertretenen Wissenschaftler*innen, Projekte und ihre laufende Forschung. Die Beiträge erscheinen im Open Access und in limitierter Printauflage. Wenn Sie einen Beitrag in der Working Paper Series veröffentlichen möchten, reichen Sie bitte Ihren Themenvorschlag in Form eines Abstracts (max. 300 Wörter) zusammen mit einer Kurzvita (max. 50 Wörter) ein. Für die Manuskripteinreichung beachten Sie bitte unser Styleguide.
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Projektnummer 262513311 – SFB 1187. Redaktionelle Verantwortung: Karina Kirsten, Universität Siegen & SFB 1187 Medien der Kooperation.
Das SFB lädt herzlich zur mündlichen Prüfung im Promotionsverfahren von Niklas Strüver ein.
Montag, 27. Juli 2026 um 11 Uhr, in Raum AH-A 217/18.
Im Rahmen der Disputation werden die Ergebnisse seiner Dissertation vor der Prüfungskommission präsentiert und wissenschaftlich verteidigt. Der Titel seiner Dissertation lautet: „Speaking on behalf of the periphery: Third-party relationships in Amazons’s Alexa ecosystem“ und untersucht die Entwicklungszusammenhänge des Sprachassistenten Alexa aus den Perspektiven der Infrastruktur- und Plattformtheorie. Anhand der vier vorgelegten Artikel wird herausgearbeitet, wie Alexa als Infrastruktur und Plattform für Drittanbieter in Wirtschaft und Wissenschaft fungiert und welche soziotechnischen Machtgefälle dabei entstehen. Diese Analyse erlaubt die Untersuchung der sozialen Beziehungen, in die Amazon als Hersteller mit den Komplementäranbietern am Rande der Plattform eingeht. Durch verschiedene empirische Zugänge kann trotz üblicher Geheimhaltung durch Großkonzerne ein Blick auf die Entwicklung von Technologien geworfen werfen, die im Alltag vieler Menschen präsent sind.
Die Prüfung wird auf deutsch gehalten und von den beiden Gutachtern Dagmar Hoffmann & Armin Beverungen betreut.
Niklas Strüver (M.A.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt B06 („Un/erbetene Beobachtung in Interaktion“) und Doktorand am SFB 1187 „Medien der Kooperation“. Er studierte Soziologie mit einem Schwerpunkt auf Techniksoziologie an der RWTH Aachen und schloss dort den Master of Arts ab. Seine Forschungsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Techniksoziologie, Science and Technology Studies sowie Platform Studies.
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