A03 - Navigation in Online/Offline-Räumen

© Fabian Stürtz

 

Teilprojektleiter*innen:

Prof. Dr. Carolin Gerlitz

Prof. Dr. Tristan Thielmann

Mitarbeiter*innen:

Max Kanderske

Fernando N. Van der Vlist

Assoziierte:

Dr. Asko Lehmuskallio

 

Durch das gemeinschaftliche Sammeln, Zirkulieren und Neuordnen von Geodaten scheinen sich mobile Navigationsanwendungen zu einem ‚sozialen Medium‘ zu wandeln. Inwiefern rekurrieren die neuen vernetzten Mobilmedien dabei auf historische Praktiken kollaborativer Kartographie? Das Teilprojekt geht von der Hypothese aus, dass die unterschiedlichen Praktiken der Raum­produktion in der Nachverfolgung von Mittlerketten und Wegspuren hervortreten. In der Darle­gung von medialen Operationsketten quer durch Online- und Offline-Räume sollen die verschie­denen Formen der Zusammenarbeit und Koproduktion von Personen, Artefakten und Zeichen sichtbar werden. Im Zentrum der Analyse steht dabei die analoge und digitale Karte als Platt­form für die Interoperabilität verschiedener Medien.

 

Das zentrale Ziel des Forschungsprojekts ist die Bestimmung des wechselseitigen Verhältnisses von Raum- und Medienpraktiken. Dies soll vor dem Hintergrund der Analyse dreier Navigationsmedien geschehen: 1. Anhand der Mediengeschichte US-amerikanischer Routenführer zwi­schen ca. 1885 und 1902 kann gezeigt werden, dass dieses Medium kooperativ geschaffen wurde und zugleich als Kooperationsbedingung für die Handlungsmacht eines Netzwerks von lokalen AkteurInnen diente. 2. Am Beispiel von Drohnen können Praktiken der verteilten Raumerfassung vernetzter Kameras untersucht werden. 3. Durch die Analyse von Social Navi­gation Apps kann gezeigt werden, wie Crowdsourced Maps als Verrechnungsplattformen die­nen, die einerseits divergente soziale, kulturelle und ökonomische Interessen versammeln und andererseits gemeinsam Bewegung im Raum prozessieren.

 

Anhand des Vergleichs der drei Korpora soll der Frage nachgegangen werden, durch welche Medienpraktiken sich die Navigation in Online- und Offline-Räumen stabilisiert. Die Vergleichsanalyse kann zudem zeigen, welchen Beitrag die kultur- wie sozialwissenschaftlich bereits erforschte Praxeologie von Karten für die Übertragung auf mobile und vernetzte Digital­medien leisten kann.