Leihfahrräder, E-Scooter und App-basierte Mobilitätsdienste sind zu einem vertrauten Bestandteil des städtischen Lebens geworden. Diese Dienste, die häufig als nahtlose, nachhaltige und barrierefreie Verkehrsmittel beworben werden, prägen zunehmend die Art und Weise, wie sich Menschen in Städten fortbewegen. Die sogenannte geteilte Mikromobilität ist zudem ein disruptiver Faktor im Straßenraum, da sie neue Reibungspunkte, Hindernisse und Risiken schafft, die gewohnte Bewegung durch die Stadt destabilisieren. Da die geteilte Mikromobilität zudem den Aufbau neuer Infrastrukturen mit sich bringt, wirft sie grundlegende Fragen zu öffentlichem Raum, Technologieökonomie, Datenverwaltung, Barrierefreiheit und Bürgerbeteiligung auf, die sich quer durch die damit verbundenen Veränderungen und die alltäglichen Erfahrungen des Stadtlebens ziehen.
Dieser Workshop lädt Teilnehmende mit unterschiedlichen Hintergründen ein – darunter Nutzer*innen und Nicht-Nutzer*innen von Shared-Mobility-Diensten, Anwohner*innen, politische Entscheidungsträger*innen, Mobilitätsplaner*innen, Aktivist*innen, Forscher*innen und Vertreter*innen der Industrie –, um gemeinsam die Rolle der geteilten Mikromobilität in der Stadt Köln zu beobachten, zu beschreiben und zu analysieren. Der Workshop wird kreative Methoden einsetzen, um alltägliche Begegnungen mit Shared-Mobility-Systemen in den Straßen Ehrenfelds zu untersuchen. Durch situative Mobilitätserfahrungen, die gemeinsame Beobachtung von Mikromobilitätssituationen, Diskussionen und Kartierungsübungen wollen wir die Infrastrukturen, Akteur*innen, Technologien und Be/Wertungspraktiken sichtbar machen, die die aktuelle urbane Mobilität prägen.
Der Workshop orientiert sich an einer Reihe von Fragen: Wie nahtlos – oder eher “nahtreich” (seamful) – und möglicherweise disruptiv – sind die Erfahrungen mit geteilter Mikromobilität in der Praxis? Welche Infrastrukturen, Datenströme, Arbeitsformen und Governance-Strukturen tragen dazu bei, dass diese Dienste (nicht) funktionieren? Wessen Bedürfnisse, Perspektiven und Interessen spiegeln sich in den aktuellen Mobilitätssystemen wider und wessen werden übersehen? Wie gestalten – und stören – digitale Plattformen und Mobilitäts-Apps den Zugang zum städtischen Raum, die Mobilitätsentscheidungen, die Privatsphäre und die Teilhabe? Und wie sollten Fragen der Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang verstanden werden – nicht nur in ökologischer Hinsicht, sondern auch im Zusammenhang mit sozialer Gerechtigkeit, Barrierefreiheit und demokratischer Mitbestimmung?
Indem diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven und Blickwinkeln beleuchtet werden, zielt der Workshop darauf ab, eine gemeinsame Auseinandersetzung mit den Chancen, Reibungspunkten und Folgen geteilter Mikromobilität anzuregen. Ziel ist es somit, den Blickwinkel darauf zu erweitern, was verschiedene Anspruchsgruppen als relevant ansehen, um somit die Auswirkungen und Risiken des Ausbaus der Mikromobilitätsinfrastrukturen zu verstehen und gemeinsam zu erörtern. Durch die kreative Dokumentation unserer Begegnungen mit Mikromobilität auf der Ebene des Stadtviertels, können wir digitale Transformationen und Umbrüche in unserer Umgebung sowie die damit verbundenen Probleme auf kollektive Weise zum Ausdruck bringen.
Von künstlerischen Forscher*innen geleitete gemeinsame Kartierung und narrative Modellierung ermöglichen die Analyse unserer gemeinsamen Beobachtungen zu Begegnungen im Bereich der Mikromobilität. Diese narrative Darstellung bildet die Grundlage für einen öffentlich zugänglichen Bericht über die Seams – Nahtstellen, Reibungspunkte, und Bruchstellen – der geteilten Mobilität in Köln.
Der Workshop wird vom Projekt A03: „Navigation in Online-/Offline-Räumen“ im Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ an der Universität Siegen organisiert. Das Projekt untersucht, wie mobile Medien, Plattformen und digitale Infrastrukturen das Navigieren und die Bewegungen durch urbane Umgebungen verändern und neugestalten.
Hauptbeteiligt bei der Organisation des Workshops sind: Carolin Gerlitz, Daniela van Geenen, Max Kanderske (Universität Siegen/University of Siegen) & Noortje Marres (CIM Warwick, https://warwick.ac.uk/fac/cross_fac/cim/), Künstlerische Forscher*innen: Yasmine Boudiaf (Ambient Information Systems, London) & Mukul Patel

Veranstaltungsort
Venloer Straße 429
50825 Köln
Programm
17.09.2026
Tag 1
Einführung
Unterwegs in Ehrenfeld
Mittagessen
Präsentation: Einführung in die Methode
Kartieren: Jede Gruppe kartiert und erzählt ihre Begegnungen
Erzählerische Darstellung: Begleitet von Künstler:innen setzen die Gruppen ihre Begegnungen um innerhalb eines narrativen Modells
Erzählen: Die Gruppen schildern ihre Begegnungen anhand der narrativen Modellierung
Ausklang
18.09.2026
Tag 2
Rückblick auf die narrative Darstellung und gemeinsames Erarbeiten von Interpretationen
Mittagessen
Wie geht es weiter?
Abschließende Worte, Getränke und Häppchen
Kontakt
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