Publikationen

Die Mitglieder des SFB 1187 veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse an den verschiedensten, für die jeweiligen Forschungen und Disziplinen geeigneten Publikationsorten. Eine zeitlich geordnete Auflistung der SFB-bezogenen Veröffentlichungen aller Mitglieder finden Sie unten unter dem Punkt „Alle Publikationen“.

Darüber hinaus gibt der SFB verschiedene eigene Publikationsformate heraus, in denen sowohl Mitglieder des SFB als auch andere Wissenschaftler*innen publizieren. Dazu gehören die Buchreihen Medien der Kooperation (Springer Verlag) und Beiträge zur Praxeologie (Metzler Verlag), die Open Access-Zeitschrift Media in Action. An Interdisciplinary Journal on Cooperative Media sowie die Internet-Blogreihe Debating Anthropology (in Kooperation mit dem Global South Studies Center an der Universität zu Köln, dem Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft (IFEK) an der Universität Bremen und der Zeitschrift für Kulturwissenschaften).

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Projektnummer 262513311 – SFB 1187 Medien der Kooperation

Detaillierte Informationen über die Inhalte der Publikationen finden Sie im Folgenden:


Aktuell

Claudio Coletta, Tobias Röhl und Susann Wagenknecht (Hrsg.)

On Time

Special Issue, Mobilities 15 (5)

This special issue examines how multiple normative and temporal orderings unfold in practice, how they overlap and interfere, support and challenge one another. The multiple orderings that characterize today’s mobilities are typically coordinated by means of infrastructure – sequences, breaks and buffers, brackets, borders and walls – in ways that we describe as co-existence, conflict, containment, and collation.

Sebastian Gießmann, Tobias Röhl und Ronja Trischler, Hrsg. 2019.

Materialität der Kooperation

Das Soziale ist immer schon medial und das Mediale immer schon sozial. „Materialität der Kooperation“ fragt nach materiellen Bedingungen und Medienpraktiken der Kooperation. Kooperation wird dabei als wechselseitiges Zusammenwirken verstanden, das mit oder ohne Konsens, mit oder ohne Kopräsenz der beteiligten Akteure von statten gehen kann.

Korn, Matthias, Wolfgang Reißmann, Tobias Röhl, and David Sittler, eds. 2019.

Infrastructuring Publics

The volume scrutinizes publics and infrastructures not separately but in their constitutive interrelations and resonances. The contributions share a praxeological approach, discussing historical and current processes of mediated cooperation in infrastructuring and making public(s) by tracing different forms of the production, design, and historic trajectories of various publics and infrastructures.

Mohn, Bina, Pip Hare, Astrid Vogelpohl, and Jutta Wiesemann. 2019.

Face to Face – Face to Screen

Frühe Kindheit Und Medien / Early Childhood and Media. 24 Kamera-Ethnographische Miniaturen / 24 Camera Ethnographic Miniatures.

Was macht eine Kindheit im Zeitalter digitaler Medien aus? Anhand 24 kurzer Filme macht dieser Katalog mit DVD beobachtbar, wie Medienpraktiken in der frühen Kindheit die Selbst- und Sachbezüge, den Bezug auf Andere und das Zusammensein als Familie mit konstituieren. Die filmischen Miniaturen und kurzen Texte sind das Ergebnis einer kamera-ethnografischen Langzeitforschung in 14 Familien.

Garfinkel, Harold. 2019. Parsons’ Primer. Edited by Anne Warfield Rawls.

Harold Garfinkel: Parson’s Primer

This previously unpublished manuscript titled Parson’s Primer in which Garfinkel explains Talcott Parsons’ position on systems of social interaction and how it relates to Garfinkel’s own position is an important missing piece of Garfinkel’s sociological argument. The original manuscript from 1962/63 has been edited and a new introduction written for it by Anne W. Rawls and Jason Turowetz.

Schubert, Cornelius, and Andreas Kolb. 2020.

Designing Technology, Developing Theory

The article discusses collaborative activities that engage computer graphics designers and social scientists in systems design processes. A conceptual symmetrical account of technology design and theory development is elaborated as a mode of mutual engagement occurring in an interdisciplinary trading zone, where neither discipline is placed at the service of the other and nor do disciplinary boundaries dissolve.

Buchreihe: Medien der Kooperation / Media of Cooperation

Digital network media are designed as cooperative tools, platforms and infrastructures which transform existing publics and give rise to new ones. Digital media can no longer be understood as individual media, but demand a practice-theoretical perspective on media and their history. All media are cooperatively accomplished devices of cooperation. Media practices and techniques evolve from the mutual making of shared resources and joint processes. That’s why the study of digital media disturbs our scientific division of labour and remains a challenge for the intersections between media theory and social theory.

 

Digitale Kindheiten

Wiesemann, J., Eisenmann, C., Fürtig, I., Lange, J., Mohn, B.E., Hrsg. 2020

Die Digitalität der Gesellschaft ist durch einen Strukturwandel in allen gesellschaftlichen Bereichen gekennzeichnet. Wie sind digitale Medien Teil gegenwärtiger Kindheiten? Die Untersuchung von Medien und Medienpraktiken im Alltag der Kinder sind neue Herausforderungen für die Kindheits- und Familienforschung, denen mit einem innovativen methodischen und methodologischen Repertoire begegnet wird. Der Band leistet einen Beitrag dazu, die medialen Formen von Kindsein und Familiesein zu klären und etabliert digitale Kindheiten als ein eigenständiges Forschungsfeld.

 

Materialität der Kooperation

Sebastian Gießmann, Tobias Röhl und Ronja Trischler, Hrsg. 2019

Die Autorinnen der „Materialität der Kooperation“ fragen nach materiellen Bedingungen und Medienpraktiken der Kooperation – vor, während und über Situationen hinaus. Kooperation wird als ein wechselseitiges Zusammenwirken verstanden, das mit oder ohne Konsens, mit oder ohne Kopräsenz der beteiligten Akteure in verteilten Situationen vonstattengehen kann. Materielle Bedingung von Kooperation sind Medien als Artefakte, Körper, Texte, Bilder und Infrastrukturen. Sie ermöglichen, bedingen und figurieren wechselseitige Verfertigungen – und entstehen selbst durch Medienpraktiken in kooperativen Situationen.

 

Infrastructuring Publics

Korn, Matthias, Wolfgang Reißmann, Tobias Röhl, and David Sittler, eds. 2019

The volume scrutinizes publics and infrastructures not separately but in their constitutive interrelations and resonances. The contributions, originating in a range of disciplinary perspectives, share a praxeological approach, discussing historical and current processes of mediated cooperation in infrastructuring and making public(s) by tracing different forms of the production, design, and historic trajectories of various publics and infrastructures.

 

Researching Complex Information Infrastructures

Thomas Ludwig, 2017

Thomas Ludwig reveals design characteristics when aiming at researching information infrastructures and their diverse information resources, types of users and systems as well as divergent practices. By conducting empirically-based design case studies in the domain of crisis management, the author uncovers methodological and design challenges in understanding new kinds of interconnected information infrastructures from a praxeological perspective. Based on implemented novel ICT tools, he derives design characteristics that focus on integrating objective and subjective queried insights into situated activities of people as well as emphasizing the subjective nature of information quality.

 

Buchreihe: Beiträge zur Praxeologie / Contributions to Praxeology

Die „Beiträge zur Praxeologie / Contributions to Praxeology“ setzen sich zum Ziel, die Praxis allen anderen Erklärungsgrößen vorzuordnen, und die theoretischen Grundbegriffe aus dieser Vorordnung zu gewinnen, zu klären oder zu korrigieren. Sowohl die Arbeiten von Wittgenstein als auch die von Schütz und Garfinkel verweisen auf eine gemeinsame mitteleuropäische Genealogie der „Praxeologie“, die bis heute allerdings weitgehend unbekannt geblieben ist. Die Reihe will sich daher in drei Stoßrichtungen entfalten: durch philosophische Theoriearbeit, durch empirische Beiträge zur Theoriebildung und durch Beiträge zur Revision der Wissenschaftsgeschichte.

 

Anthropologie der Praxis

Girke, F., Mexer, C., Ramella, A.L., Zillinger, M. Hrsg. 2021

Dieser Band bringt Autorinnen und Autoren aus der Ethnologie und Soziologie in ein Gespräch, um ein umfassendes praxistheoretisches Programm zu entwickeln. Während in der Ethnologie der praxistheoretische Einsatz der Feldforschung begrifflich und theoretisch oft uneingelöst bleibt, finden die praxistheoretischen Diskussionen in der Soziologie nur zögerlich Eingang in die Forschungspraxis. Eine interdisziplinäre Anthropologie der Praxis ist daher überfällig, um die Voraussetzungen, Methoden und feldspezifischen Dimensionen einer konsequent praxistheoretischen Sozial- und Kulturwissenschaft zu klären.

 

I talk, you listen. Empirisch-theoretische Studien zur Praxis des Sprachcomputers.

Wagenknecht, Andreas 2021

Spricht jemand vermittelt durch einen Sprachcomputer, so entstehen komplexe soziale Praktiken, die den Alltag und das Leben der Nutzerinnen und Nutzer maßgeblich prägen. Am Beispiel der medientechnisch strukturierten Kommunikation mittels Sprachcomputer von Menschen ohne Lautsprache wird gezeigt, wie Technik und Medien den Alltag und das Leben mit einer körperlichen Behinderung bestimmen und gestalten. Auf der Basis soziologischer Praxistheorien werden zwei Themen verhandelt: Erstens geht es grundsätzlich um die Bedeutung von verkörpertem Wissen für die Teilhabe an medientechnologisch strukturierten Praktiken. Zweitens zeigt sich am Gebrauch einer Kommunikationstechnologie wie Assistenz, Kooperation und Handlungsmacht im Vollzug alltäglicher Praktiken verteilt und verhandelt werden. Die zentralen Fragen lauten: Wie kann das Verhältnis von Körper, Geräten/Dingen und Medien innerhalb sozialer Praktiken beschrieben und verstanden werden? Welche Theorien sind in welcher Kombination geeignet, die Problematik adäquat zu erfassen und die soziale Konstruktion einer Behinderung unter den Bedingungen moderner Medientechnik zu begreifen?

 

Tiere – Medien – Sinne

Willkomm, Judith 2021

Wieso braucht man ein Schlauchboot, um Vögel aufzunehmen? Warum muss ein Lautsprecher wie eine Nachtigall klingen? Wie kann man Fledermaus-Laute gleichzeitig sehen und hören? Im Feld werden die Dinge erforscht, wo sie sind, wie sie sind und wenn sie stattfinden. Da sie dadurch nicht so leicht zu kontrollieren sind wie im Labor, müssen für die Datenerhebung andere Strategien gefunden werden. Dabei kommt es zu einem besonderen Wechselspiel zwischen menschlichen Sinnen und technischen Medien. Diese Verflechtung macht Judith Willkomm in ihrer Technographie über bioakustische Feldstudien beschreibbar.

 

Harold Garfinkel: Parson’s Primer 

Rawls, Anne Warfield (Ed.) 2019

Harold Garfinkel was one of the most important American sociologists. A student of Talcott Parsons who also worked with Alfred Schutz and Kenneth Burke, he sought to craft an empirical and theoretical approach that would combine Parsons’ focus on social systems of interaction with the focus on practices in their course of Burke and Schutz. This previously unpublished manuscript titled Parsons Primer in which Garfinkel explains Parsons’ position on systems of social interaction and how it relates to Garfinkel’s own position is an important missing piece of Garfinkel’s argument.

The original manuscript from 1962/63 has been edited and a new introduction written for it by Anne W. Rawls and Jason Turowetz.

 

Fighting As Real As It Gets

Staack, Michael 2019

Michael Staack’s multi-year ethnography is the first and only comprehensive social-scientific analysis of the combat sport ‘Mixed Martial Arts’. Based on systematic training observations, the author meticulously analyses how Mixed Martial Arts practitioners conjointly create and immerse themselves into their own world of ultimate bodily combat. With his examination of concentrative technique demonstrations, cooperative technique train-ings, and chaotic sparring practices, Staack not only provides a sociological illumination of Mixed Martial Arts culture’s defining theme – the quest of ‘Fighting As Real As It Gets’. Rather further-more, he provides a compelling cultural-sociological case study on practical social constructions of ‘authenticity’.

 

Daten-Karrieren und epistemische Materialität

Meier zu Verl, Christian 2018

Dieses Buch rekonstruiert konkrete ethnografische Daten-Karrieren von der Beobachtung im Feld bis zur Publikation wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Feld. Die beobachteten ethnografischen Arbeiten an den einzelnen Karriereschritten machen methodologische Probleme einer adäquaten Beschreibung sozialer Wirklichkeit als Probleme des ethnografischen Alltags sichtbar. Diese Probleme werden u.a. praktisch gelöst, indem implizite kooperative Praktiken des Reinszenierens, des De- und Rekontextualisierens ethnografische Erfahrungen in sozialwissenschaftlich relevante Beschreibungen transformieren.

 

Culture, Practice and the Body

Meyer, Christian 2018

Human sociality is shaped and realized most notably in embodied practices of interpersonal interaction. At the same time, the social nature of human beings is open for cultural influences. This book inspects the foundations of human sociality theoretically drawing on recent debates in sociology, anthropology, and linguistics, and empirically by the example of interactions on the central square of a Wolof village in Northwestern Senegal.

Menschliche Sozialität gestaltet und realisiert sich zuallererst in den vielfältigen verkörperten Praktiken zwischenmenschlicher Interaktionen. Die Sozialnatur des Menschen ist dabei offen für kulturelle Einflüsse. Dieses Buch inspiziert die Grundlagen menschlicher Sozialität theoretisch anhand jüngerer Diskussionen in der Soziologie, Ethnologie, Anthropologie und Linguistik und empirisch am Beispiel von Interaktionen auf dem zentralen Platz eines Dorfes der Wolof Nordwestsenegals.

 

http://mediainaction.uni-siegen.de/

The dynamics of contemporary media have created a fast-paced field, in which academic studies are often challenged, both methodologically and theoretically, to keep pace with current developments in media, technology and society. In our view, the question of cooperation is a crucial issue surrounding these dynamics. Digital networked media in particular can be viewed as cooperative platforms, enabling people to work together, share experiences and information about their lives, and interact with each other. This is, however, not a new phenomenon: the media have always been vital for connecting individuals, groups or whole societies. Likewise, cooperation is a fundamental feature of all human endeavours.

The journal Media in Action aims to explore how to connect the two observations that (1) contemporary digital media are prima facie media of cooperation and (2) media and cooperation have been tightly enmeshed long before the digital age. This question lies at the core of this interdisciplinary journal on cooperative media and it unites the scholars in the Collaborative Research Centre (CRC) 1187 Media of Cooperation at the University of Siegen.

No 17 (2020) Sebastian Gießmann: Identifizieren: Theorie und Geschichte einer Medienpraktik

Registrieren, Identifizieren und Klassifizieren sind Praktiken, die in digitalen Kulturen kaum mehr zu trennen sind. Anhand der Mediengeschichte des Passes und der Kreditkarte geht der folgende Text der Frage nach, wie immer neue infrastrukturelle Kaskaden des Identifizierens entstehen und welche öffentliche Brisanz den entsprechenden Datenverarbeitungen innewohnt. Beim Identifizieren handelt es sich um eine kooperative Medien- und Datenpraktik, an der stets mehr als eine Person beteiligt ist. Sie involviert von Anfang an menschliche Körper samt ihrer semiotischen Ressourcen und koppelt diese mit bürokratischen Aufschreibesystemen. Auch die neuesten digitalen Prozeduren greifen bevorzugt auf Gesichter und Fingerabdrücke zu: Biometrie versucht, den für das Identifizieren konstitutiven Abstand zwischen Konten, Körpern und Personen aufzuheben.

 

No 16 (2020) Asko Lehmuskallio & Airi Lampinen: Material Mediations Complicate Communication Privacy Management

Increasingly, school settings are implementing digital technologies to coordinate teachers’ work. The article examines the role of these technologies in teachers’ boundary regulation processes through the lens of communication privacy management theory, and it provides empirical insight into the renegotiation of being a teacher in the presence of rules formalized in software code. The case of Finnish high school teachers exposed to the use of Wilma, a distributed computing system used to store, process, and transmit student data, revealed experiences of a need to renegotiate formalized and trackable work processes, faster and more colloquial communication, and intensified day-to-day work. These influence modes of accountability and the need to negotiate visibility, along with understandings of rules as a central coordination mechanism for interpersonal boundary regulation. The authors suggest in addition that these technologies inure various social stakeholders to constant technical monitoring and regular accounting, thereby advancing the normalization of surveillance practices. This creates good reason to pay closer attention to how rules of engagement may be coordinated.

 

No 15 (2020) Julian Genner: To Everything, Turn, Turn, Turn?

This article reviews the “practice turn” (PT) in sociology, social theory, and media studies. In addition, it develops a sociological perspective on turns in general. As other turns, PT presents itself as heterogeneous and interdisciplinary phenomenon lacking clear conceptual and institutional boundaries. In order to grasp this fuzziness inherent to PT, I regard PT as a “sign-post” (Wittgenstein 1984) giving rather vague directions and thus “assembling” (Latour 2005) a heterogeneous research community. Thus, my main question is as follows: How does PT guide research and how do researchers follow PT? Drawing on interviews with researchers involved in PT, I distinguish two major ideal-typical ways of following PT. Revolutionary approaches aim for overcoming existing ways of doing research by turning to practice. In contrast, reformative approaches aim for a renewal of disciplines. Whereas revolutionary approaches mainly arise in interdisciplinary fields and various “studies”, reformative approaches flourish on the margins of sociology. In exploring this pattern, the article develops a sociological way of reflecting PT and turns in general. Thereby the article establishes an institutional perspective drawing on the work of Boltanski and Chiapello (2007).

 

No 14 (2020) Tim Moritz Hector & Christine Hrncal: Intelligente Persönliche Assistenten im häuslichen Umfeld

Sprachassistenten werden in einer steigenden Zahl von Haushalten in den Alltag eingebunden. Es zeigen sich dabei sprachliche und kulturelle Praktiken, die durch die Integration artifizieller Mündlichkeit in die Interaktion entstehen, wie sie bisher noch nicht beschrieben werden konnten. Diese untersucht der gesprächslinguistisch ausgerichtete Teilbereich des Projekts B06 „Un/erbetene Beobachtung in Interaktion: ,Intelligente Persönliche Assistenten‘ (IPA)“ im Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ an der Universität Siegen. Sprachassistenzsysteme sind außerdem für ihre Funktionalität auf die dauerhafte Beobachtung des häuslichen Umfelds angewiesen. Die Reflexion der NutzerInnen über dieses „Mithören“, das im öffentlichen Diskurs teilweise sehr kritisch betrachtet wird, steht ebenfalls im Fokus der im Projekt durchgeführten Untersuchungen. Im Rahmen der hier vorgestellten Pilotstudie werden methodische Prämissen im Hinblick auf das Vorgehen bei der Datenerhebung reflektiert und aus den gewonnenen Daten erste Anhaltspunkte für die sprachwissenschaftlichen Analysekategorien herauskristallisiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Identifikation von sprachlich-interaktionalen Praktiken und deren Einbettung in soziokulturelle Praktiken, die in der Hauptstudie ebenfalls näher beleuchtet werden sollen. Unsere Daten zeigen, dass Interagierende ein Sprachassistenzsystem nicht wie einen zusätzlichen Gesprächsteilnehmer in die Interaktion einbeziehen, sondern es durchaus wie ein technisches Gerät behandeln. Gleichzeitig scheint die parallele Nutzung des medial mündlichen Kanals zur Bedienung eines Geräts auf der einen und zum Führen einer Konversation auf der anderen Seite Auswirkungen auf das Repertoire sprachlich-interaktionaler sowie kultureller Praktiken zu haben.

 

No 13 (2019) Christian Erbacher: Das Drama von Tübingen

Was geschah am Tübinger Wittgenstein Archiv? – Unter Wittgensteinforschern regt diese Frage seit mehr als 30 Jahren zu Spekulationen und Legendenbildung an. Das Archiv war das erste große Projekt zur Herstellung einer maschinenlesbaren Transkription von Ludwig Wittgensteins nachgelassenen philosophischen Schriften (ca. 20.000 Seiten) als Vorbereitung für eine wissenschaftliche Gesamtausgabe. Dieses Projekt begann mit großen Hoffnungen und versprach, eine Sternstunde sowohl für die philosophische Editorik als auch für die frühen Digital Humanities zu werden. Doch die Projektgruppe zerbrach alsbald. Bis heute sind die näheren Umstände des Zusammenbruchs nicht bekannt. Daher stellt dieser Beitrag auf der Grundlage ausführlicher Archivrecherchen und Interviews die Geschichte des Archivs dar. Im Kern erweist sich diese Geschichte als ein sich ausweitender Vertrauensverlust innerhalb einer Forschergruppe und darüber hinaus. Wie etwa bereits Harold Garfinkels breaching Experimente erwarten lassen würden, führt auch in diesem Fall der Verlust von Vertrauen zum Kollaps der Kooperation.

 

No 12 (2019) Christian Henrich-Franke: The Mickey Mouse Telephone

The 1980s saw the triumph of neoliberal thinking in Western European societies and economies. Referring to neoliberal economists, governments across Europe implemented policies to deregulate (inter)national markets and to privatise national monopolies. One priority were the large postal and telecommunication services monopolies. In terms of media iconography, one icon of this ‘turn of the tides’ in the regulation of German telephone markets was the ‘Mickey Mouse Telephone’. It was a symbol of the American way of life and the freedom of choice, of the firm belief in the power of markets and the deregulation of monopolies. Nevertheless, the Mickey Mouse Telephone was an antagonism in itself. It was a symbol of American (technological) superiority, and yet, when it was introduced in the German market, it was overpriced and featured an outdated technology. Provided by the ‘Deutsche Bundespost’ – the German state-owned postal and telecommunications monopoly business – the Mickey Mouse Telephone was an analogue model equipped with a dial. The price was several times higher than for a standard phone model. This paper places the Mickey Mouse Telephone in the broader historical context of the relationship between the state, the economy and society in 1980s Germany.

 

No 11 (2019) Harold Garfinkel: Common Sense Knowledge of Social Structures (1959)

The text presented here was written by Harold Garfinkel for the Fourth World Congress of Sociology in Stresa (Italy) in 1959, where Garfinkel participated in the Section on the Sociology of Knowledge organized by Kurt Wolff. The “General Theme” of the Fourth World Congress of Sociology was “Society and Sociological Knowledge / La Société et la Connaissance Sociologique”. Garfinkel’s original Stresa paper had to be “heavily abridged” for publication (Garfinkel 1961).
The present text may be categorized as a “missing link” both in the history of Ethnomethodology and in a crucial period of the history of the Post-War Social Sciences.

 

No 10 (2019) Mark Priestley & Thomas Haigh: Colossus: The Missing Manual

There has until now been no comprehensive, convenient, and reliable description of the actual capabilities of the Colossus codebreaking machines used at Bletchley Park during World War II, the way they were used, and the jobs they were applied to. This gap in the literature has led to a lack of understanding of the machines’ functionality and hence to exaggerated claims about their capabilities. In this report we remove the Colossi as far as possible from their cryptanalytical context and consider them simply as computational devices. We give an architectural description of the whole family of related machines, including the initial model known as “Heath Robinson”, and a functional description of the major capabilities of the second and final Colossus design. We include detailed examples of how the machines would have been set up to perform a range of typical tasks, and conclude with a discussion of their versatility, examining in particular the question of how useful they would have been once the war had ended. We present several examples of actual Colossus configurations and the historical output they produced, illustrating the cooperation between figures typed automatically by Colossus and text and annotations added by the human operator.

 

No 9 (2019)  Tristan Thielmann: Sensormedien: Eine medien- und praxistheoretische Annäherung

Da gegenwärtig immer mehr Sensoren in Medien, Gebrauchsgegenständen und Infrastrukturen verbaut und diese so zu mobilen „Smart Devices“ transformiert werden, entstehen neue sozio-technische Bedingungen der Datenerfassung und -verarbeitung, denen nicht mit etablierten Konzepten zur Informations- und Wissensgesellschaft begegnet werden kann. Sie zeichnen sich durch eine entgrenzte Datenerfassung aus, da wir mit Hilfe von Sensoren eine unaufhörliche Verbindung zur Umwelt eingehen. Das Konzept der Sensormedien erlaubt es daher, den Fokus darauf zu richten, was das Beständige medialer Environments ist und was unsere „digitale Gesellschaft“ zusammenhält. Die Grundidee des vorliegenden Working Papers ist, dass Sensormedien einen epistemischen Shift von der Informations- zur Sensorgesellschaft einleiten und nur in der wechselseitigen Verrechnung und Re-Sensibilisierung von Daten, Umwelten und Körpern zu verstehen sind. Sensormedien sind zudem prädestiniert für eine praxistheoretische Auseinandersetzung, da die mediale Erfassung und Darstellung der Körper-Umwelt-Beziehung durch neue Sensortechnologien ein Diversitätsniveau erreicht, welches der Komplexität praxeologischer Beschreibung besser gerecht wird. Umgekehrt lassen sich die kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Sensormedien nur auf Grundlage methodologischer Innovationen wirklich adäquat beschreiben.

 

No 8 (2019)  Silvia Gherardi: Practice as a collective and knowledgeable doing

This paper explores the relationship between knowledge and practice, knowledgeable practices, knowing in practice and knowledge as a situated activity. It traces a tradition of sociological thought in practice theories that derives from studies of scientific knowledge and that challenges the conventional understanding of the ‘social’ as human-centred. The understanding of practice is grounded in an actor-network approach and in feminist Science and Technology Studies. In fact, the precursors of the empirical study of knowing in situ were the so-called laboratory studies, and section 1 presents their contributions to the study of knowledge practices. Later, section 2 proposes a posthumanist practice theory that joins other post-epistemologies in the project of de-centring the human subject as the main source of action and moving from a formulation of practice theory as ‘humans and their practices’ to a vision of practice as the entanglement of humans, materialities, discourses, knowledges and any other relevant element in the situated activities. The aim of the paper is to interpret practice as an empirical phenomenon; therefore, sections 3, 4 and 5 illustrate the core assumptions: i) the sensory and elusive knowledges embedded in knowing in practice; ii) realities as enacted in practices; and iii) interdependent practices as woven in a texture of practices.

 

No 7 (2019)  Luc Boltanski: Reality and its twin:
The thematic of conspiracy in political metaphysics

This paper will focus on the thematics of mystery, conspiracy and inquiry, a subject area explored in one of my more recent books, where I sought to un- derstand the prominent place these thematics have occupied in the representation of reality since around the turn of the 20th century. It has also long been my aim to analyse the role that these thematics may have played in the formation of political metaphys- ics. Although not necessarily one of the canonical forms of political philosophy, political metaphysics left its mark on the last century and, in all probability, continues to haunt the present one. It can be seen as a kind of mythology that is equipped with a for- midable practical e ectiveness, which gives it the power to shape the contours of reality. The thematics of mystery, conspiracy and inquiry have constantly ipped back and forth between the representation of reality in literature, particularly in so-called ‘popular’ literature, and the most disturbing and sometimes most dramatic aspects of reality itself.

 

No 6 (2019)  Arjun Appadurai: Mediants and the Making of Narrative Assemblages

In this lecture, I will highlight the ways in which the current world of nancial markets, mechanisms, and risk-taking is saturated with linguistic and literary forms. These include the promissory language of derivatives, the public pronouncements of central bankers, and the internal narratives of financial analysts. Finance today has a deep literary infrastructure that needs to be recognized and demystized. When we think about finance, our main association is with an ocean of numbers: stock prices, interest rates, currency exchange values, pro t-earnings ratios, mortgage costs, credit ratings, and many other elements in the nancial world are numerically expressed. We are also led to believe that nancial managers and entrepreneurs are mathematics whizzes and that their work is inscrutable to the rest of us because it is too numerically complex for us. Yet, nance itself is deeply saturated with narrative and linguistic forms to which numbers are entirely subordinate or marginal. What are the forms and functions of the literature of global nance? I will use this question to combine my interest in derivative nance with my interest in mediants and mediation, on both of which I have published some work.

 

No 5 (2018)  Kjeld Schmidt, Ina Wagner: Writ Large: On the logics of the spatial ordering of coordinate artefacts in cooperative work

Enter a modern workplace, look around and look carefully, and you will notice a profusion of inscriptions of the most modest and unassuming kind. We are not here primarily referring to the mountains of text produced and perused as part of everyday work (such as letters, emails, reports, contracts), which naturally typically are the center of practitioners’ attention, but to an assortment of inconspicuous and mundane artifacts, such as fault report forms, folders, binder labels, part routing schemes, kanban cards, identification codes, that have been specially designed to facilitate the coordination and integration of cooperative activities. We call this vast and heterogeneous family of specialized artifacts ‘coordinative artifacts’. Though unremarkable, such artifacts play an essential role in enabling workers in modern work settings to get the work done in a reasonably orderly fashion. They provide a manifold latticework of signs by means of which distributed cooperative work activities are coordinated and integrated. Based on a series of ethnographic and similar studies of cooperative work in different domains of work (manufacturing, software engineering, architectural design, oncology treatment, ICD pacemaker treatment), the paper will attempt to show that we can begin to identify and describe the logics of the practices of designing and using such coordinative artifacts.

 

No 4 (2018)  Michael Dieter, Carolin Gerlitz, Anne Helmond, Nathaniel Tkacz, Fernando van der Vlist, Esther Weltevrede: Store, interface, package, connection: Methods and propositions for multi-situated app studies

This paper discusses methodological approaches to app studies, focussing on their embeddedness and situatedness within multiple infrastructural settings. Our approach arises by paying close attention to the multivalent affordances of apps as software packages, particularly their capacity to enter into diverse groupings and relations depending on different infrastructural situations. The changing situations they evoke and participate in, accordingly, makes apps visible and accountable in a variety of unique ways. Engaging with and even staging these situations, therefore, allows for political-economic, social and cultural dynamics associated with apps and their infrastructures can be investigated through a style of research we describe as multi-situated app studies. The piece offers an overview of four different entry points of enquiry that are exemplary of this overarching framework, focussing on app stores, app interfaces, app packages and app connections. We conclude with nine propositions that develop out of these studies as prompts for further research.

 

No 3 (2018)  Thomas Haigh: Finding a Story for the History of Computing

Thomas Haigh is working with Paul Ceruzzi of the National Air and Space Museum in Washington, D.C., on an expanded and completely reorganized version of Ceruzzi’s classic monograph A History of Modern Computing. Haigh discusses the challenges involved in producing a one volume history of a uniquely flexible technology. Since the first edition of the book was published twenty years ago our sense of what the computer is for has shifted utterly, to encompass media consumption, personal communication, and shopping as well as the traditional activities of business administration and scientific number crunching. To reflect this, Ceruzzi and Haigh are adopting a new structure, in which each chapter of the book tells the story of how “the computer” becomes something different through its interaction with a particular set of users and applications. Haigh connects this structure to the work of historian Michael S. Mahoney, and his discussion of the “Histories of Computing(s).” He ponders the particular difficulty of avoiding a simplistic narrative of historical progress, often called a “whig history,” in summarizing the evolution of a technology whose spectacular technical improvement has come to define our idea of modernity. Haigh also discusses Ceruzzi’s text in relation to other comprehensive histories of computing, the production process of the new edition, and some of the editorial choices involved in a project of this kind.

 

No 2 (2017)  Sebastian Gießmann: Drawing the Social: Jacob Levy Moreno, Sociometry, and the Rise of Network Diagrammatics

The following article discusses the combination of graphical methods and network thought in early sociology. It combines a case study of Jacob Levy Moreno’s sociometric work and diagrammatic practice with media-theoretical thoughts about the characteristics of network diagrams. These are understood as inscriptions that perform both an act of drawing and writing at the same time. Moreno’s mappings, as well as other early visual techniques of social research, are understood along Michel Serres’ understanding of the network diagram as a topo­logical narration. Seen from the vantage point of a history of knowledge, Moreno’s sociometric and performative practices can not only be understood as a contribution to social network thought, but as actual research on the cooperative character of human interaction.

 

No 1 (2017)  Erhard Schüttpelz: Hunter into Prey: Trying to Make Sense of the »Media Revolution« at Göbekli Tepe

The essay tries to make sense of the iconography and monumentalism of Göbekli Tepe by way of a comparison with recent ›hunting ideologies‹ in forager situations of abundance or ›super-abundance‹. The article refers to two North American situations of super-abundance (North-West Coast societies based on seasonal aquafaunal abundance; and the seasonal congregations of large-scale Bison hunting groups on the Plains) to demonstrate how foragers coping with a situation of seasonal super-abundance are still able to ritually perform the reversibility of prey and predator inherent in hunting ideologies. The radical iconography of predators at Göbekli Tepe may likewise point to the ritual function of turning ›hunter into prey‹, and the monumentalism of Göbekli Tepe may be interpreted as a ritual setting celebrating the unity of a hunting congregation quite foreign to – and even deliberately pitted against – later regional developments.