SFB 1187 ›Medien der Kooperation‹ an der Universität Siegen

B06 - Un/erbetene Beobachtung in Interaktion: „Intelligente Persönliche Assistenten“ (IPA)

 

Teilprojektleiter*innen:

Prof. Dr. Stephan Habscheid

Prof. Dr. Dagmar Hoffmann

Mitarbeiter*innen:

Tim Moritz Hector

Dr. Christine Hrncal

Dr. David Waldecker

Assoziierte:

         Dr. Kathrin Englert

Jacqueline Klesse

Dr. Vincent Knopp

Prof. Dr. Wolfgang Ludwig-Mayerhofer

Dr. habil Oliver Schmidtke

Tamara Schwertel

 

In der ersten Phase untersuchte das Projekt unter der Perspektive der Herstellung von ‚erbetener‘ Beachtung und der Vermeidung ‚unerbetener‘ Beobachtung die Veröffentlichungspraktiken und diskursive bzw. praktische Grenzziehungen Jugendlicher beim Umgang mit Sozialen Medien, u.a. auf der Grundlage einer Analyse argumentativ tradierter Rechtfertigungsordnungen im Sinn von Boltanski und Thévenot (2007), und damit einen Fall der wechselseitigen Verfertigung von Kooperation unter problematischen medienbezogenen Bedingungen.

Darauf aufbauend erforscht das Projekt in der zweiten Phase, wie stationäre „Intelligente Persönliche Assistenten (IPA)“ mit „Voice User Interfaces“ (VUI) von häuslichen Nutzer*innen in ihre verbale Interaktion bzw. Alltagspraktiken einbezogen und situativ verhandelt werden, und zwar im Spannungsfeld von erbetener/erforderlicher Responsivität auf und problembehafteter Beobachtung/Verwertung von sprachlichem Input. Komplementär hierzu zielt das Projekt darauf, mit Hilfe von Expert*innen einer institutionellen Verarbeitung und Verwertung von derartigen Daten – auch in Verbindung mit digitalen Methoden – Erkenntnisse über die Black box hinter den kommerziellen VUI zu erlangen.

 

Publikationen

Aktuell

Smartness von intelligenten persönlichen Assistenten bzw. von Smart Speakern wird im Beitrag in zwei Weisen diskutiert: Zum einen zeigen wir anhand der Interaktion mit Sprachassistenten, dass akustische Intelligenz als maschinelle Intelligibilität auf die Zuarbeit der menschlichen Nutzer* innen angewiesen ist, um kommunizieren zu können. Zum anderen erscheint akustische Intelligenz bzw. intelligence als ökonomische Verwertung der von den Nutzer*innen produzierten akustischen Daten, die sich als Datafizierung häuslicher Sprachkommunikation manifestiert.

 

Waldecker, David, and Axel Volmar (2022). “Die zweifache akustische Intelligenz virtueller Sprachassistenten zwischen verteilter Kooperation und Datafizierung.” In Acoustic Intellingence. Hören Und Gehorchen, edited by Anna Schürmer, Maximilian Haberer, and Tomy Brautschek, 161–82. Düsseldorf: Düsseldorf University Press. https://doi.org/10.1515/9783110730791-011.

 

 

Der Beitrag fokussiert das Spannungsverhältnis zwischen der Überwachungsgesellschaft und einer Kultur der Maximierung der Produktion medialer Daten aus der Sicht von Nutzer/innen anhand der Unterscheidung „erbetene/unerbetene Beobachtung“. Von Interesse ist die kritische Urteilskraft von Social-Media-Nutzer/innen gerade deshalb, weil diese über ihre Online-Aktivitäten in die eigene Überwachung und Kontrolle ‚verstrickt‘ sind.

 

Englert, Kathrin, David Waldecker und Oliver Schmidtke (2019). "Un/erbetene Beobachtung: Bewertung richtigen Medienhandelns in Zeiten seiner Hyper-Beobachtbarkeit." In: Digitale Bewertungspraktiken: Für eine Bewertungs-soziologie des Digitalen, hg. von Jonathan Kropf, und Stephan Laser, 215–236. Wiesbaden: Springer VS.

 

 

Im Erscheinen

Habscheid, Stephan. 2022. „Socio-technical dialogue and linguistic interaction. Intelligent Personal Assistants (IPA) in the Private Home“. Sprache und Literatur 51 (2).
Hector, Tim. 2022. „Smart Speaker in der Praxis: Methodologische Überlegungen zur medienlinguistischen Erforschung stationärer Sprachassistenzsysteme“. Sprache und Literatur 51 (2).
Hector, Tim, David Waldecker, Niklas Strüver, und Tanja Aal, Hrsg. 2023. Taming Digital Practices: On the Domestication of Data-Driven Technologies. Digital Culture & Society. Thematic Issue, Vol. 9, Issue 1/2023.
Waldecker, David, und Tim Hector. 2023. „Taming digital practices: A praxeological approach towards domestication of connected devices and services. Introduction to the thematic issue“. In Digital Culture & Society. Thematic Issue: Taming Digital Practices, herausgegeben von Tim Hector, David Waldecker, Niklas Strüver, und Tanja Aal.

2022

Englert, Kathrin, Dagmar Hoffmann, und David Waldecker. 2022. „‚Tut mir leid, ich verstehe nicht ganz.‘ Smart Speaker als vermeintliche Gesprächspartner*innen“. merz – Zeitschrift für Medienpädagogik 66 (2): 24-34. https://www.merz-zeitschrift.de/alle-ausgaben/details/2022-02-sprache-und-medien/.
Hector, Tim, Franziska Niersberger-Gueye, Franziska Petri, und Christine Hrncal. 2022. „The ‘Conditional Voice Recorder’: Data practices in the co-operative advancement and implementation of data-collection technology“. Working Paper Series Media of Cooperation 23: 1-15. http://dx.doi.org/10.25819/ubsi/10225 .
Hrncal, Christine, und Tim Hector. 2022. „Tagungsbericht: Sequence Analysis in Linguistics and Social Theory, 29.10.2021 – 30.10.2021, digital“. In H-Soz-Kult. https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/fdkn-127824.
Waldecker, David. 2022. „Zur empirischen und theoretischen Kritik der Datensouveränität anhand der Smart-Speaker-Nutzung“. merzWissenschaft 66 (6): 147-57.
Waldecker, David, und Axel Volmar. 2022. „Die zweifache akustische Intelligenz virtueller Sprachassistenten zwischen verteilter Kooperation und Datafizierung“. In Acoustic Intellingence. Hören und Gehorchen, herausgegeben von Anna Schürmer, Maximilian Haberer, und Tomy Brautschek, 161-82. Düsseldorf: Düsseldorf University Press. https://doi.org/10.1515/9783110730791-011.

2021

Habscheid, Stephan, Tim Hector, Christine Hrncal, und David Waldecker. 2021. „Intelligente Persönliche Assistenten (IPA) mit Voice User Interfaces (VUI) als ‚Beteiligte‘ in häuslicher Alltags­interaktion. Welchen Aufschluss geben die Protokolldaten der Assistenzsysteme?“. Journal für Medienlinguistik 4: 16-53. https://doi.org/10.21248/jfml.2021.44.

2020

Hector, Tim, und Christine Hrncal. 2020. „Intelligente Persönliche Assistenten im häuslichen Umfeld. Erkenntnisse aus einer linguistischen Pilotstudie zur Erhebung audiovisueller Interaktionsdaten“. Working Paper Series 14: 1-14. https://www.mediacoop.uni-siegen.de/de/publikationen/working-papers-media-of-cooperation/.
Waldecker, David, Oliver Schmidtke, und Kathrin Englert. 2020. „Individuierung, Autonomie und Social Media. Überlegungen zum Strukturwandel von Öffentlichkeit und Privatheit“. Sprache und Literatur 49 (1): 171-99. https://doi.org/10.30965/25890859-04901007.

2019

Englert, Kathrin, David Waldecker, und Oliver Schmidtke. 2019. „Un/erbetene Beobachtung: Bewertung richtigen Medienhandelns in Zeiten seiner Hyper-Beobachtbarkeit“. In Digitale Bewertungspraktiken. Für eine Bewertungssoziologie des Digitalen, herausgegeben von Jonathan Kropf und Stephan Laser, 215-36. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-21165-3_9.
Schmidtke, Oliver, Kathrin Englert, und David Waldecker. 2019. „Vom alltäglichen Ziehen fließender Grenzen. Die Veröffentlichung von Intimität bei jugendlichen Social-Media-Nutzer/innen“. In Intimisierung des Öffentlichen. Zur multiplen Privatisierung des Öffentlichen in der digitalen Ära, herausgegeben von Patrik Ettinger, Mark Eisenegger, Marlis Prinzing, und Roger Blum, 211-26. Mediensymposium. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-24052-3_12.
Waldecker, David, Kathrin Englert, und Wolfgang Ludwig-Mayerhofer. 2019. „Media Ethnography and Participation in Online Practices“. Media in Action. Interdisciplinary Journal on Cooperative Media 3 (1): 9-22. https://www001.zimt.uni-siegen.de/ojs/index.php/mia/article/view/47.

2018

Kathrin, Englert, Lene Faust, Christian Heinrich-Franke, Claudia Müller, und Cornelius Schubert, Hrsg. 2018. „Thematic Focus: Socioinformatics“. Media in Action. Interdisciplinary Journal on Cooperative Media, Sonderheft, 2 (1). https://www001.zimt.uni-siegen.de/ojs/index.php/mia/issue/view/9.

2017

Englert, Kathrin, Jacqueline Klesse, Wolfgang Ludwig-Mayerhofer, Oliver Schmidtke, und David Waldecker. 2017. „‚Das Digitale‘ und sein Modus Operandi. Bewertungen (un)erbetener Be(ob)achtung“. In Geschlossene Gesellschaften. Verhandlungen des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bamberg 2016, herausgegeben von Stephan Lessenich. Bamberg: Deutsche Gesellschaft für Soziologie. http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband_2016/article/view/524.
Reißmann, Wolfgang, und Dagmar Hoffmann. 2017. „Mediatisierung und Mediensozialisation. Überlegungen zum Verhältnis zweier Forschungsfelder“. In Mediatisierung und Mediensozialisation. Prozesse – Räume – Praktiken, herausgegeben von Dagmar Hoffmann, Friedrich Krotz, und Wolfgang Reißmann, 59-78. Wiesbaden: Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-14937-6_4.