SFB 1187 ›Medien der Kooperation‹ an der Universität Siegen

B08 - Agentic Media: Formationen von
Semi-Autonomie

Teilprojektleiter*innen:

Dr. Marcus Burkhardt

Prof. Dr. Karin Knorr-Cetina

Mitarbeiter*innen:

Hendrik Bender

Susanne Förster

Tatjana Seitz

 

Das Teilprojekt geht von der Beobachtung aus, dass aktuell immer mehr digitale Medientechnologien nicht als bloße Werkzeuge, Instrumente, (Informations-)Ressourcen oder Vermittler entworfen werden und in Erscheinung treten, sondern als synthetische Akteure, die (semi-)autonom agieren. Als Konstrukte der Technowissenschaften und Digitalindustrie werden Agentic Media in der sozialen Interaktion häufig als menschenähnliche Akteure erfahren, versehen mit Aufgaben, Privilegien und der Fähigkeit zu Lernen – Kapazitäten die sich aus dem Modell menschlicher Handlungsautonomie ableiten. Mit dieser Entwicklung geht eine Erschütterung etablierter Interaktionsordnungen und Handlungssysteme einher, in deren Zuge sich das menschliche Handeln und die menschliche Handlungsautonomie transformieren.

Im Rahmen des Projekts werden Agentic Media als semi-autonome synthetische Akteure konzeptualisiert, die in heterogenen, multipel situierten und distribuierten Medien- und Datenpraktiken kooperativ verfertigt, unterstützt und stabilisiert werden. In drei Arbeitspaketen untersucht das sozial- und medienwissenschaftliche Projekt empirisch wie Agentic Media in unterschiedlichen Praxisbereichen – Chatbots, Drohnen sowie der akademischen Entwicklung von Algorithmen – als handlungsfähige Akteure kooperativ verfertigt werden, welche Kooperations- und Interaktionsordnungen entstehen und fragt nach den Konsequenzen für menschliche Teilnehmer*innen.

Das Projekt verfolgt drei Ziele:

  1. Kartierung des Spektrums und der Diversität der sich entwickelnden synthetischen Akteure mit ihren jeweiligen Akteur-Anforderungen, Subjektcharakteristiken und sonstigen Kapazitäten, die in verschiedenen ethnotechnologischen Systemen angenommen werden.
  2. Analyse der Modi und Strukturen der Interaktion, Kooperation und „Vergesellschaftung“, die zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Teilnehmer*innen, aber auch zwischen synthetischen Akteuren entstehen.
  3. Untersuchung der Konsequenzen, die sich aus einer dauerhaften Konfrontation menschlicher Akteure mit nicht-menschlichen semi-autonomen kognitiven Systemen ergeben.