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RESAW 2025 – The datatfied Web
Über 40 Vorträgen von mehr als 70 Forschenden aus 11 Ländern gestalten das Tagungsprogramm der RESAW Tagung 2025, die am 5. & 6. Juni am Sonderforschungsbereich 1187 „Medien der Kooperation“ in Siegen stattfindet. Registrierungen sind ab März 2025 möglich.
Über die RESAW Conference und Community
RESAW ist das Acronym für A Research Infrastructure for the Study of Archived Web Materials. Die RESAW-Community widmet sich der Arbeit mit dem digitalen Kulturerbe und trifft sich alle zwei Jahre auf der gleichnamigen RESAW-Konferenz. RESAW wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, eine kollaborative europäische Forschungsinfrastruktur für die Erforschung von und mit Web-Materialien aufzubauen und den europäischen Wissensaustausch zu fördern.
Webinhalte sind ephemere Objekte: Sie sind kurzlebig, kontextgebunden oder anlassspezifisch. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Webseite beträgt gerade einmal zwei Monate. Dies stellen Forschung und Archivierung von webbasierten Informationen und Objekten vor immense Herausforderungen.
RESAW 2025 – The Datafied Web an der Siegen Universität
Die sechste RESAW-Konferenz widmet sich der Suche nach den historischen Wurzeln des datengetriebenen Paradigmas in der Web-Entwicklung. Dabei werden Trends, Entwicklungslinien und Genealogien eines datafizierten und metrisierten Webs sowie des Aufkommens plattformgetriebener Ökosysteme näher analysiert. Eine Untersuchung des historischen Kontexts, der Ästhetik und der Rolle von Webzählern, Analysetools, mobiler Sensorik und anderer Metriken kann dazu beitragen, ein tieferes Verständnis von Online-Interaktionen, vergangenen Öffentlichkeiten und Zielgruppen sowie deren (mitunter problematischen) Entwicklungen zu gewinnen.
Das Thema „Das datafizierte Web“ wirft auch Fragen zu Methoden und (Web-)Archiven auf, die es ermöglichen, diese Entwicklung zu erforschen: Welche Herausforderungen und Methodologien gibt es beispielsweise bei der Archivierung des metrisierten und zunehmend mobilen Webs, einschließlich der Back-End-Infrastruktur? Darüber hinaus lädt das Thema dazu ein, die historische Entwicklung der Datenerfassung und die Evolution von Praktiken der Datenüberwachung im Web nachzuzeichnen. Ergänzend dazu sind Fragen zur historischen Entwicklung von Tracking-Mechanismen, Cookies und der Entstehung digitaler Fußabdrücke relevant, ebenso wie die Evolution von Unternehmen, die auf Metriken angewiesen sind, sowie die Entwicklung finanzialisierter Webräume und deren Auswirkungen.
Die Konferenz blickt dabei aus der historischen Webanalyse heraus auf medialisierte Umwelten und stellt die Frage: Wie hat das datafizierte Web die sensorischen Medienumgebungen geschaffen, in denen wir heute leben?
Highlights der RESAW 2025
Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der RESAW-Konferenz findet ein von Niels Brügger organisierte Podiumsdiskussion statt. Vorzumerken ist der Freitagnachmittag am 6. Juni.
Besondere Highlights der diesjährigen Jahrestagung sind die Keynotes am Donnerstagabend und Freitagmorgen von Nanna Bonde Thylstrup, Associate Professor in Modern and Digital Culture an der University of Copenhagen und Jonathan Gray, Reader in Critical Infrastructure Studies, Department of Digital Humanities am King’s College in London. Nanna Bode Thystrup wird über „Vanishing points: technographies of data loss“ sprechen und sich durch die Entwicklung eines technographischen Zugang der kritischen Beforschung des Verschwindens annähern. Jonathan Gray wird in seiner Keynote „Public data cultures“ die rechtlichen und technischen Konventionen offener Daten historisieren. Ziel ist es anhand einer Reihe empirischer Vignetten den Begriff und die Praktiken von Daten neu zu betrachten: als kulturelles Material, als Medium der Partizipation und als Ort transnationaler Koordination.
Insgesamt 22 Panels bieten bei der RESAW25 Raum für über 70 Vorträge von Siegener und internationalen Wissenschaftler*innen – unter anderem aus der Partneruniversität in Luxembourg sowie aus den Niederlanden, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Schweden, Dänemark, Belgien, den USA, Portugal und Israel. Am Donnerstag beleuchten Panels u.a. die Themenfelder rund um Plattformen und Social Media, Monetarisierungs- und Archivpraktiken im Web sowie den Umgang mit Dataverlust. Am zweiten Tag stehen u.a. das Skybox Forschungsprogramm, die Geschichte von Plattformen und Forschungsmethoden im Fokus.
Die Tagung verspricht spannende Einblicke in aktuelle Forschungsfragen rum um Trends, Entwicklungslinien und Genealogien eines datafizierten und metrisierten Webs sowie einen kritischen Dialog über die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Aufkommen palttformgetriebener Ökosysteme einhergehen.
The 2025 RESAW Konfernz wird organisiert vom Sonderforschungsbereich 1187 „Medien der Kooperation“ der Universität Siegen in Kooperation mit dem Centre for Contemporary and Digital History (C²DH) an der Universität Luxembourg. Die Konferenz wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Luxembourg National Research Fund (FNR).
Zur Rolle von Sensortechnologien im privaten und öffentlichen Leben
→Weitere Informationen zur Jahrestagung
Über die Jahrestagung
Die diesjährige Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1187 „Medien der Kooperation“ beschäftigt sich mit dem Thema „Scaling Sensing – Sensing Publics: Landscapes, and Borders, Homes and Bodies“. Vom 13. bis 15. November diskutieren Wissenschaftler*innen an der Universität Siegen die Rolle von Sensortechnologien im öffentlichen und privaten Leben. Wie gestalten Sensoren und Erfassungspraktiken verschiedene öffentliche Bereiche? Welche Dynamiken lassen sich zwischen Sensing-Praktiken und Öffentlichkeit beobachten?
Das Interesse am Thema ist groß. Mehr als 60 Forschende aus Medienwissenschaft, Linguistik, Informatik, Kulturwissenschaft, Sozialwissenschaften, Ingenieurswissenschaften, Anthropologie, Erziehungswissenschaften und den Geschichtswissenschaften nehmen an der Veranstaltung in Siegen teil. Im Zentrum stehen Fallstudien zu Sensoren und Medien, sowie Sinneseindrücke aus verschiedenen Praxisfeldern.
Der Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ beschäftigt sich seit 2016 mit Phänomenen der digitalen Gesellschaft. Die Entwicklung ist rasant: In der ersten Förderphase (2016-2019) erforschte der SFB soziale Medien und Plattformen, in der zweiten Phase (2020-2023) standen datenintensive Medien und Datenpraktiken im Mittelpunkt. In seiner nunmehr dritten und letzten Förderphase (2024-2027) widmet sich der Forschungsverbund dem Zusammenspiel von Sensormedien und Künstlicher Intelligenz (KI) und richtet mit der nun stattfindenden Jahrestagung seinen Blick auf das Verhältnis zwischen Sensormedien, künstlicher Intelligenz (KI) und Öffentlichkeit.
Sensormedien sind inzwischen alltäglich. Sie erfassen Bewegungen, gestalten Smart Homes, erheben Umgebungsdaten und steuern semi-autonomes Fahren. Sie verändern grundlegend die Art und Weise, wie wir wahrnehmen, spüren und Wissen produzieren und beeinflussen, wie wir Umgebungen – von Landschaften über Städte bis Privatwohnungen – erkennen und unsere Körper darin verorten. Doch dabei bieten sie nicht nur Lösungen für diverse soziale, politische, technologische, medizinische und ökologische Herausforderungen an, sondern werfen zugleich ethische und politische Bedenken auf. So untergraben sie die Privatsphäre, bedrohen unsere Datensouveränität und verstärken soziale Ungleichheiten. Die kritische Diskussion von Sensortechnologien und ihren Anwendungskontexten ist daher für die Öffentlichkeit von essenzieller Bedeutung.
Insgesamt vier Panels bieten bei der Jahrestagung Raum für 17 interdisziplinäre Vorträge von Siegener und internationalen Wissenschaftler*innen – unter anderem aus Paris, Genf, Eindhoven, Montreal, Basel, Waltham, US, Luxemburg und Texas. Am ersten Tag untersucht das Panel 1 „Sensing Landscapes“ verschiedene Wahrnehmungspraktiken in natürlichen Umgebungen. Am zweiten Tag stehen in Panel 2 „Sensing Borders“ und in Panel 3 „Sensing Bodies“ die soziopolitischen Folgen von Grenzziehungen und das soziale Zusammenspiel menschlicher und technischer Wahrnehmung im Fokus. Am letzten Tag diskutiert das Panel 4 „Sensing Homes“ unser Verständnis von Privatsphäre am Beispiel von Smart-Home-Technologien.
Besondere Highlights der diesjährigen Jahrestagung sind die Keynotes am Mittwoch- und Donnerstagabend von David Howes, Professor für Soziologie und Anthropologie an der Concordia University in Montreal, Kanada und Jürgen Streeck, Professor für Kommunikationswissenschaft, Anthropologie und Germanistik an der University of Texas. David Howes wird über die „Anthropologie der Sinne“ sprechen und dabei die Bedeutung von sensorischen Erfahrungen für das Verständnis von Gemeinschaft und Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften beleuchten. Jürgen Streeck wird in seiner Keynote die Rolle von Gesten und multimodaler Interaktion in der Kommunikation zwischen Menschen und zwischen Mensch und Technologie analysieren und aufzeigen, wie solche Interaktionen unsere Wahrnehmung von sozialer Realität prägen.
Die Tagung verspricht spannende Einblicke in aktuelle Forschungsfragen rum um Sensortechnologien und Öffentlichkeit und einen kritischen Dialog über die Herausforderungen und Chancen, die mit der technischen Erfassung unserer Wahrnehmung und Umgebung einhergehen.
Kontakt:
Dr. Karina Kirsten (SFB „Medien der Kooperation“, Wissenschaftliche Koordination)
E-Mail:
Tel.: 0271 740 5252

“Machine–Body–Space: The Entanglement of Human and Non-Human Sensing”
Thursday, 07. November 2024 – Friday, 08. November 2024
This conference aims to investigate the complex co-constitution of human and machinic sensing, examining how sensing, sensoring, and sense-making are intertwined in sensory practices within everyday environments.
The conference is hosted by Lorenza Mondada, Clemens Eisenmann and Philippe Sormani from project P01 and Stephan Habscheid and Tim Hector from project B06 in the Collaborative Research Center 1187 “Media of Cooperation”
Together with our guests, we aim to discuss the evolving relationship between human and machine-based sensing and the effects of this relationship on everyday life. With digital and networked technologies becoming an integral part of our routines, sensor technologies now play a key role in personal and domestic spaces, from health management and home automation to environmental control.
These “sensing machines”, e.g. advanced voice assistants that can capture visual and tactile signals demonstrate, incorporate sensors that detect a range of physical attributes such as brightness, motion, temperature, and humidity. This data enables machines to interact with their environments in sophisticated ways—observing human and animal movements, noting environmental changes, and assisting in daily activities. These tools can be empowering, especially in contexts of disability and assistance, but they also introduce new challenges related to privacy, equality, and the nature of human-machine interaction.
Contributions from empirical research will demonstrate for instance how users mobilize the human sensorium as well as old and new sensor technologies, thereby making their sensory experiences comprehensible for each other – from moment to moment, in their temporal sequence and in diverse contexts, including the enhancement of sustainability, convenience, assistance, entertainment or security.
In our discussions, we will tackle perception, embodiment, and interaction within shared spaces, emphasizing how both human and machine senses contribute to shared experiences. By focusing on sensory processes as practices, the event invites a rethinking of how we understand bodies, spaces, and machines as intertwined in new, hybrid modes of sensing and perceiving.
The event will thus foster a dialogue on how sensory technologies shape, challenge, and redefine our understanding of perception and sensing, both in practical settings and in theoretical contexts. We’re welcoming an international crowd of guests: Christopher Lloyd Salter (Zürich) and Bertolt Meyer (Chemnitz) as keynote speakers and roundtable inputs from Katharina Graf (Frankfurt), Wolfgang Kesselheim (Greifswald), Jakub Mlynář (HES-SO Valais-Wallis), Hannah Pelikan (Linköping), and others.
Venue
University of Siegen
Room AH-A-217/18 (2nd floor)
Herrengarten 3, D-57072 Siegen, Germany
The project P01 “Media of Praxeology I: Multisensory Mediality and Cooperative Practice” investigates the cooperative accomplishment, accountability, and socio-technical mediatization of multisensorial practices. It extends digital praxeology by showing in detail, how embodied and intercorporeal practices of cooperation are fundamental for the study of sensoriality and mediality. Lorenza Mondada is Professor of general and French Linguistics at the University of Basel and principal investigator of P01. Clemens Eisenmann and Philippe Sormani are postdoctoral researchers in P01
The project B06 “Un-/desired Observation in Interaction: Smart Environments, Language, Body, and Senses in Private Households” investigates the domestication of data-intensive sensory media in interaction by exploring how ‚intelligent‘ living environments digitally capture households in terms of language, motor skills and sensory perception. Stephan Habscheid is Professor of German Studies / Applied Linguistics at the University of Siegen and principal investigator of B06. Tim Hector is postdoctoral researcher at B06

Scaling Sensing – Sensing Publics: Landscapes and Borders, Homes and Bodies
We are excited to invite you to the CRC Annual Conference 2024, taking place from November 13-15, 2024, at Uni Siegen, Obergraben 25, US-S 001/002. Organized by the Collaborative Research Center (SFB 1187) – Media of Cooperation. This year’s conference focuses on Scaling Sensing – Sensing Publics: Landscapes, Borders, Homes, and Bodies and is generously funded by the Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).
About the Conference
This event is free and open to all, with a special invitation to early career researchers interested in engaging with leading experts and innovative research on the role of sensing practices and technologies in shaping public and private life.
The conference will offer a platform for interdisciplinary perspectives on how sensing practices influence environments, borders, domestic spaces, and the human body. Sensor technologies have rapidly changed the way we understand and interact with the world, influencing fields as diverse as the natural environment, urban planning, healthcare, and privacy.
Key themes and panel sessions:
- Sensing Landscapes: how sensing practices (human, digital, and non-human) shape the use and understanding of landscapes across diverse ecological and socio-political contexts.How sensing practices (human, digital, and non-human) shape the use and understanding of landscapes across diverse ecological and socio-cultural contexts.
- Sensing Borders: The implications of sensor-based technologies on migration, surveillance, and border control, highlighting their role in security and sociopolitical dynamics.
- Sensing Homes: The growing integration of smart home technologies, focusing on privacy, convenience, and control within domestic environments.
- Sensing Bodies: The intersection of wearable technologies and embodied social interactions, with implications for healthcare, biometric tracking, and social connectivity.
Next to renowned international keynote speakers, each panel will feature experts and researchers from various disciplines who will present case studies and theoretical reflections on interactionsbetween sensing, sensor technologies, and the public sphere.
Highlighted Speakers Include:
- David Howes (Concordia University, Montréal) on Calibrating the Techniques and Technologies of Perception-Action.
- Jürgen Streeck (University of Texas, Austin) on Deeply Sensed Togetherness
- Maya Avis (Centre for Digital Humanities and Multilateralism) on States of Surveillance in 2024
- Saadia Mirza (University of Chicago/ Sciences Po, Paris) on Sensing and Classification of Landscapes.
We will also enjoy a special evening of cultural enrichment on Thursday, November 14, with a performance by the Göksel Yilmaz Ensemble. Their music beautifully blends Turkish, Arabic, and Kurdish traditions with jazz and classical influences, promising a memorable night of music and cross-cultural celebration.
Event Details:
- Dates: November 13-15, 2024
- Location: Uni Siegen, Obergraben 25, US-S 001/002
- Time: 9:00 AM – 6:00 PM daily
- Cost: Free of charge
How to Register:
Registration is open until October 20, 2024. To secure your spot, please register here.
Why Attend?
This conference is a unique opportunity for professionals, researchers, and students in fields related to media studies, cultural anthropology, socioinformatics? sensor technology, ethics, urban planning, healthcare, and more. We especially encourage early career researchers to join and benefit from networking and discussions with experts in the field. Whether you’re interested in the impact of technology on privacy, the future of smart cities, or the ethical dilemmas surrounding sensor-based surveillance, there’s something for everyone.
We look forward to welcoming you to an exciting and intellectually stimulating three days of discussions, presentations, and networking.
For more information about the program and detailed schedule, visit our conference website.
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#CRC2024 #ScalingSensing #SensingPublics #MediaOfCooperation
Thank you, and we hope to see you there!
Mit einem interaktiven Stand bot der SFB 1187 bei der „Offenen Uni“ der Universität Siegen am 8. Juni Besucher*innen aller Altersgruppen spannende Einblicke in die alltägliche Welt der digitalen Medien und die Möglichkeit den eigenen digitalen Alltag zu reflektieren.
(© Astrid Vogelpohl 2024, TP B05)
Am Samstag, den 8. Juni 2024, verwandelte sich der Schlossplatz des Unteren Schlosses in Siegen in ein lebendiges Forschungslabor. Im Rahmen der jährlichen „Offenen Uni“ boten über 50 Stände und Mitmach-Stationen Einblicke in verschiedene Aspekte des Universitätslebens. Dabei präsentierte auch der DFG-Sonderforschungsbereich 1187 Medien der Kooperation einen faszinierenden Einblick in unsere digitale Gegenwart. Besucher*innen aller Altersgruppen erkundeten den SFB-Stand, um ihre eigenen Erfahrungen mit smarten Geräten zu teilen und mehr über die Forschung zu erfahren, die unser digitales Zusammenleben untersucht.
Herzstück des SFB-Standes war eine 12m Zeltwand, die sich im Laufe des Tages in eine bunte Landkarte unserer digitalisierten Welt verwandelte. Auf einem illustrierten Stadt- und Wohnungsplan markierten die Besucher*innen mit Klebezetteln, wo und wie sie im Alltag smarte Geräte nutzen. Von Kindern, die von Tablets im Kindergarten berichteten, über Studierende, die ihre Lieblingsapps vorstellten, bis hin zu Rentner*innen, die ihre Erfahrungen mit digitalen Assistenzanwendungen teilten – die Vielfalt der Beiträge spiegelte die Allgegenwärtigkeit digitaler Technologien in unserem Leben wider. Die Forschenden des SFB nutzten diese Gelegenheit, um mit den Besucher*innen ins Gespräch zu kommen und neue Perspektiven für ihre Arbeit zu gewinnen.
Der große Zuspruch am Stand des SFB 1187 verdeutlichte das wachsende öffentliche Interesse an der Erforschung unserer digitalisierten Gesellschaft. Seit 2016 forschen die Wissenschaftler*innen am SFB zu digitalen, datenintensiven Medien. Sie untersuchen, wie digitale Technologien unseren Alltag prägen und Menschen diese gemeinsam gestalten und nutzen. Im Zentrum der Arbeit des SFB stehen aktuell Sensortechnologien und künstliche Intelligenz und die Frage, welchen Einfluss diese auf unser tägliches Leben und Arbeiten haben. Bei Veranstaltungen wie der „Offenen Uni“ zielt der SFB darauf ab, seine Forschung im direkten Austausch mit der Öffentlichkeit lebensnah zu gestalten und gleichzeitig das Bewusstsein für die Bedeutung digitaler Medien in unserer Gesellschaft zu schärfen.
27. Juni 2024, 14 bis 19 Uhr und 28. Juni 2024, 9 bis 13 Uhr
Vorab: Telefonisches Einzelgespräch zum Bezug auf das je eigene Projekt und Absprache von Materialien.
Ziel dieser Meisterklasse ist es, das experimentelle Herangehen der Kamera-Ethnographie kennenzulernen, sowie ein arrangierendes Forschen (mit Bezug auf Wittgenstein) gemeinsam zu erproben, indem wir auf die Diversität der im Workshop vertretenen Forschungsfelder Bezug zu nehmen. Die Teilnehmenden möchten wir ermuntern, von ihren eigenen Forschungsmaterialien etwas in diese Werkstatt einzubringen.
Filmen als epistemische Praxis
In unserem alltäglichen Mediengebrauch nehmen wir an, mit einer Kamera einfach etwas einfangen und mit anderen teilen zu können. Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass das Ziel von Forschung darin besteht, über den Stand des bisher Bekannten und Gesehenen hinauszukommen, dann haben wir es mit epistemischen Dingen zu tun, die zunächst noch nicht sichtbar sind und daher auch nicht einfach mit einer Kamera aufgenommen werden können. Mit dieser Überlegung nimmt Bina E. Mohn, die Begründerin der Kamera-Ethnographie, Bezug auf die wissenschaftssoziologischen Laborstudien der 1980er und 1990er Jahre. Von einer Prämisse des (noch) nicht Sichtbaren auszugehen, markiert die Abkehr von Strategien des Kameragebrauchs, die Sichtbarkeit immer schon voraussetzen. Die Kamera-Ethnographie bietet einen handhabbaren repräsentationskritischen Ansatz auf Grundlage einer situierten Methodologie und kann als ein kontinuierlicher reflexiver Prozess der Arbeit an Sichtbarkeit und Sehen verstanden werden. Kamera-ethnographisch lassen sich auch nonverbale Praktiken und soziomaterielle Konstellationen bestens untersuchen. Darüber hinaus eignet sich die Kamera-Ethnographie besonders für eine Adaption des Formats der „übersichtlichen Darstellung“ (Wittgenstein): Filmische Arrangements dienen in diesem Zusammenhang als Versuch, die Frage zu beantworten, wie soziale Praktiken hier und jetzt und dort und dann gelebt, benannt und verstanden werden können. Für Betrachtende kamera-ethnographischer Veröffentlichungen bietet sich damit die Chance, Unerwartetes über die Vielfalt und Möglichkeit sozialer Phänomene und Praktiken zu entdecken.
Das grundlegende Buch von Bina E. Mohn „Kamera-Ethnographie. Ethnographische Forschung im Modus des Zeigens. Programmatik und Praxis“ ist im Jahr 2023 erschienen, open Access zugänglich und liegt dieser Meisterklasse zugrunde. Wichtige Referenzen des kamera-ethnographischen Ansatzes sind u.a. Bruno Latour (science-in-the-making), Karin Knorr-Cetina (epistemische Kulturen), Hans-Jörg Rheinberger (Experimentalsysteme), Clifford Geertz („thick description“), Ludwig Wittgenstein (Sprachspiele und „übersichtliche Darstellung“) und Karen Barad (agential realism und intra-action).
Teilnahmevoraussetzungen
- Erfahrung in ethnographischer Feldforschung, egal mit welchem Medium
- Bereitschaft zum Perspektiven- und Medienwechsel und zum Experimentieren
Anmeldung zur Meisterklasse
Kontakt und Anmeldung: wiesemann@erz-wiss.uni-siegen.de
Anmeldungsschluss: 15.05.2024. Bis zum 20.05.2024 wird die Teilnahme durch die Veranstaltenden verbindlich bestätigt. Bitte bei der Anmeldung kurz auf diese Fragen eingehen:
- An welchem Forschungsvorhaben arbeite ich derzeit und für welche Praktiken in diesem Feld interessiere ich mich besonders?
- Welche Fragen habe ich an eine medienethnographische Theorie und Praxis?
- Welche Materialien möchte ich in die Meisterklasse zur Kamera-Ethnographie einbringen?
Hierzu trifft Bina telefonisch gern noch genauere Absprachen mit jedem einzeln.
Veranstaltungsort
Campus Unteres Schloss
US-S 001 / 002
Obergraben 25
Siegen
Links
Herbsttagung der DGS Sektion Soziologie des Körpers und des Sports
in Kooperation mit dem SFB-1187 „Medien der Kooperation“
Universität Siegen, 09. – 10.11.2023
organisiert von Dr. Clemens Eisenmann, P02 „Medien der Praxeologie II: Zur Methodologiegeschichte der AV-Sequenzanalyse“
Körperliche Wahrnehmungen, Praktiken und Handlungen werden zunehmend durch Technologien und digitale Medien vermittelt und in besonderer Weise durch diese (mit-) hervorgebracht. Viele Untersuchungen, die im Zuge der Digitalisierungs- und Mediatisierungsschübe der vergangenen Jahrzehnte und Jahre (pandemiebedingte Formen der digitalen Kommunikation, KI-Systeme als Teil von Entscheidungsprozessen, Chat GPT, neue Sensormedien, datenintensive Umwelten und digitale Infrastrukturen im urbanen oder architektonisch gestalteten Raum, etc.) entstanden sind, zeigten auf, wie Medien, Applikationen oder Hoch-Technologien auf verschiedene Sinne(smodalitäten) einwirken und infolgedessen Körperlichkeit(en) verändern, neujustieren oder auch irritieren. Dabei wird vielfach deutlich, dass bereits ohnehin marginalisierte Personengruppen und ihre Interaktions- und Wissensformen im Alltag durch die Produktion und Handhabung von neuen Digitaltechnologien nicht nur gestärkt, sondern in der Tendenz weiterhin – und z.T. auf neue Weise – ausgehend von ihrer Körperlichkeit ausgegrenzt, stigmatisiert und diskriminiert werden. „Diverse Körperlichkeit(en)“ soll(en) in diesem Zusammenhang auf der Herbsttagung als eine gemeinsame, möglichst weite Heuristik für körpersoziologische Perspektiven dienen, die die mithin digitale und technisch induzierte Konstruktion von körperlichen Differenzen und Diversität im Zusammenhang mit historischen und neu entstehenden sozialen Ungleichheiten, Vulnerabilitäten und Exklusionsmechanismen fassen können.
Ein aufschlussreicher Gegenstand für die Erforschung der gegenwärtigen Wechselwirkungen von diversen Körperlichkeiten und digitalen Medien bildet die Schnittstelle verkörperter Sensormedien. Darunter lassen sich zunächst all jene Medien und Technologien fassen, die körperliche Sinne in ihrer Wirk- und Wahrnehmungsqualität erweitern, vermitteln oder konstituieren. Dabei stellt sich die übergreifende Frage, wie Sensormedien diverse Körperlichkeiten herausfordern, wenn Körper z.T. ermächtigt, aber auch mit neuen – häufig nicht-intendierten – Vulnerabilitäten, Effekten, Reibungen, Problemen und Folgen konfrontiert oder gänzlich exkludiert werden. Klärungsbedürftig ist in dem Zusammenhang nicht nur, wie sich Sensormedien in Körper einschreiben und wie sie alltäglich verkörpert werden, sondern bereits vorgeschaltet, welche z.T. standardisierten Körpervorstellungen und Körpertechniken, bzw. Praktiken und spezifische Wissensformen in Sensormedien inskribiert sind. Im situierten und multisensorischen Zusammenspiel von dem, was gesehen, getastet, geschmeckt, gehört oder in der Bewegung erfahren werden kann, stellen sich somit die Fragen, wie sowohl Körper als auch Sensormedien in Praktiken, Handlungen und Interaktionen hervorgebracht werden und wie Wahrnehmungen durch Technologien, Erfahrung und Wissen vermittelt und sozial konstituiert werden.
Diskutieren möchten wir folglich Fragestellungen nach der (sozialen) Wahrnehmung und alltäglichen praktischen Verkörperung von in Körpern, Alltagsgegenständen, Technologien und urbanen Infrastrukturen oder Architekturen verbauten Sensoren. Ein Zugang zu Sensormedien lässt sich aus einer körpersoziologischen Perspektive – auch im Anschluss an Phänomenologie, (Feminist) STS, Sozial- und Kulturanthropologie, Human Computer Design oder Critical Data Studies – fruchtbar an die immer noch aktuellen Diskussionen um die Bedeutung der sozialen, kulturellen und materiellen Dimension von Sinnlichkeit anschließen. Diskussionen, die mit Perspektiven auf Einzel-Sinne und deren Hierarchisierung brechen und mit Multisensorialität das komplexe, historische und soziale Zusammenspiel zum Gegenstand machen. Einen weiteren Zugang bilden aktuelle Debatten um soziale Diskriminierung – wie sie bspw. auch in sozialen Bewegungen, wie LGBTIQ+, PoC oder Crip-Movement virulent werden – sowie situierte und intersektionale Perspektiven, die u. a. darauf abzielen, körperliche Differenzen und damit einhergehende Differenzierungsprozesse theoretisch wie empirisch fassen zu können. Entsprechend laden wir besonders dazu ein an diverse, queere, anti-rassistische oder crip-genealogische sowie klassistische Perspektiven und Ansätze anzuschließen und diese mit Blick auf Sensormedien im körpersoziologischen Kontext weiterzudenken.
Die Tagung widmet sich dem Alltag von und mit Sensormedien und deren sinnlichen und körperlichen Intimität unter den Vorzeichen sozialer Differenz und Diversität und fragt danach, wie digital gestützte Multisensorialitäten das Soziale formen. Mit dem Untertitel „Situierung, Differenzierung, Standardisierung“, schlagen wir drei heuristische bzw. analytische Perspektiven vor, die sich z. T. überschneiden und in den folgenden Fragen exemplarisch widerspiegeln:
- Situierung. Inwiefern können Sensormedien die sinnliche Wahrnehmung rekonfiguieren? Wie ist das Zusammenspiel von menschlichem Sensorium und technologischen Sensoren in sozialen Situationen, d.h. in Praktiken, Interaktions- und Wissensformen situiert? Welche alltäglichen Situierungen fordern diverse Körperlichkeiten angesichts zunehmender sozialer Ungleichheiten, Exklusionsmechanismen und marginalisierter Wissensformen heraus? Und inwiefern werden diese auch im Forschungsprozess relevant und reflektiert?
- Differenzierung. Welche Körperlichkeiten geraten über soziale Differenzen und Differenzierungsprozesse in den Blick? Wie sind diese ausschlaggebend für die Konstruktion von (marginalisiertem) Wissen, bzw. Praxis- und Interaktionsformen, die z.T. außerhalb des Radius von Sensormedien liegen? Welche neuen Vulnerabilitäten, Diskriminierungen und Verantwortlichkeiten entstehen durch sinnliche Sensorbeziehungen?
- Standardisierung. Wie und inwiefern inskribieren sich standardisiertes Körperwissen, Körpertechniken und Praktiken im Design und in gebauten Infrastrukturen von Sensormedien? Welche Körper werden exkludiert? Welche Standardisierungen zeigen sich in der Interaktion/Intraaktion mit Sensormedien und deren Umwelten? Wie wird marginalisiertes Wissen in die Standardisierung von Abläufen und Routinen, die durch Sensormedien gestützt werden, übersetzt? Wie ist der Zusammenhang zwischen sozialen Praktiken der Gestaltung, Nutzung und Formen der Standardisierung neu zu denken?
Wir begrüßen alle Mitglieder zum Start des neuen Semesters und neuen Winterprogramms. Das aktuelle Jahr hielt bereits ereignisreiche Veranstaltungen bereit mit zwei MGK-Kolloquien, der Jahrestagung, zahlreichen Klausurtagungen, einer Summer School und mehreren Gästen in unserer Werkstatt Medienpraxistheorie. Für das Wintersemester freuen wir uns erneut auf ein sehr ansprechendes und interessantes Programm: Im Forschungsforum stellen einige Post-Docs und Docs ihre Forschungsprojekte vor und die Herausgebenden präsentieren ihr ZfM-Sonderheft zum Thema „Test“. Im November finden zwei Konferenzen statt und im Dezember setzen wir unsere erfolgreiche Werkstatt Medienpraxistheorie mit Jacob Gaboury und Michael Dieter fort. Außerdem organisieren Nina ter Laan, Carla Tiefenbacher und Martin Zillinger die hybride Vortragsreihe „60 Minutes Anthropology: Sensing and Sense Making in the Mediterranean“, die das Programm des Forschungsforums ergänzen wird.
Alle Veranstaltungen sind nun online an!
Die Ausstellung “Berührung neu erfinden. Sinnespraktiken in digitalen Kindheiten” wurde von Mai bis Juni 2023 im Haus der Wissenschaft in Siegen gezeigt und hat kamera-ethnographische Forschungsergebnisse des Projekts “Frühe Kindheit und Smartphone” einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein weiteres Mal wurde sie für Fachpublikum im September 2023 geöffnet, im Rahmen der 31. Jahrestagung der DGfE-Kommission Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe.
Anhand von interaktiven Exponaten und Videoinstallationen bot diese Ausstellung unterschiedliche Möglichkeiten des Eintauchens in die Thematik der Sinnespraktiken in digitalen Kindheiten und des aktiven Mitforschens. Das zeitgleich erschienene Buch Berührung neu erfinden, an dem Forschende unterschiedlicher Fachrichtungen mitgewirkt haben, wurde zum Katalog der Ausstellung, die ihrerseits eine Fortsetzung des Buchprojektes mit performativen Mitteln darstellte. In beiden Fällen trafen unterschiedliche Betrachtungsweisen und Perspektiven aufeinander und konnten sich begegnen.
Informationen zu den Exponaten




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