Neues Working Paper zur „Plattformisierung der Drohnenkriegsführung im Ukrainekrieg“

The Amazon of Drone Warfare

Von Hendrik Bender und Max Kanderske (Universität Siegen, SFB)

 

In dem neusten Working Paper (No. 39) zeigen Hendrik Bender und Max Kanderske, wie sich die „Plattformisierung der Drohnenkriegsführung“ im Russisch-Ukrainischen Krieg entwickelt. Dabei steht sowohl die FPV-Drohne als Hardware-Plattform im Vordergrund, als auch die Software-Plattformen Delta und Brave1, über die Medienpraktiken der Schlachtfeldverwaltung und Militärlogistik ökonomisiert und gamifiziert werden. 

 

→ zum Working Paper

 

Über das Working Paper

Sowohl Russland als auch die Ukraine setzen seit der Frühphase des Krieges in großem Maßstab Drohnen ein. Entstanden dabei zunächst verschiedene Formen von Consumer Drone Warfare, bei denen handelsübliche Ready-to-Fly-Drohnen bekannter Hersteller wie DJI oder Autel zum Einsatz kamen, so hat sich über die letzten Jahre hinweg eine deutliche Verlagerung hin zu lokal hergestellten First-Person-View- oder FPV-Drohnen vollzogen. Diese Entwicklung setzt – zumindest auf ukrainischer Seite – eine zunehmende Plattformisierung der militärischen Abläufe voraus.

Im vorliegenden Beitrag beleuchten wir drei distinkte, aber miteinander verflochtene Schauplätze der Plattformisierung: 1) die modulare FPV-Drohne selbst, verstanden als militärische Plattform für Sensor- und Waffensysteme; 2) Delta, ein Software-Ökosystem für die Planung und kooperative Durchführung von Drohnenangriffen; 3) und den Brave1 Market, eine Logistikplattform, die Militäreinheiten mit Ausrüstungs- und Waffenherstellern verbindet und auch als „Amazon for drone warfare“ bezeichnet wird.

Dabei zeigen wir, dass die plattformisierte Drohnenkriegsführung militärische Organisation- und Beschaffungsvorgänge im Sinne von Gamifizierung und liberaler Marktlogik umgestaltet und ökonomisiert. Indem sie die Operationskette von der Drohnenentwicklung bis zum Einsatz auf dem Schlachtfeld datafizieren und (ac)countable machen, sollen Delta und Brave1 angesichts eines zunehmend unübersichtlichen Geflechts von Militärtechnologie-Start-ups und heterogenen Hardwarekomponenten für Qualitätskontrolle sorgen und Selbstorganisation ermöglichen. Die im Zuge der Plattformisierung geschaffenen Infrastrukturen für die Drohnenentwicklung und die Sammlung von Einsatzdaten bilden dabei die Grundlage für zukünftige, (halb-)autonome Formen der Drohnenkriegsführung, die auf maschinellem Lernen und KI-Systemen basieren.

 

Über die Autoren

Hendrik Bender ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt B08 „Agentic Media: Formationen von Semi-Autonomie“ des Sonderforschungsbereiches „Medien der Kooperation“ der Universität Siegen. Sein Forschungsinteresse umfasst Figurationen der Kooperation zwischen menschlichen Akteuren und synthetischen Agenten sowie die Untersuchung räumlicher und medialer Praktiken fliegender Kameras.
Max Kanderske ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt A03 „Navigation in Online/Offline Spaces“ des Siegener SFB „Medien der Kooperation“. Abseits des Navigationellen gilt sein Forschungsinteresse sensormedialen Environments und digitalen Spielräumen. Er ist Mitherausgeber des Game Studies Journals „Spiel|Formen“.

Über die Working Paper Reihe

Die Working Paper Series des SFB 1187 „Medien der Kooperation“ versammelt aktuelle Beiträge aus dem Umfeld der inter- und transdisziplinären Medienforschung. Die SFB Working Paper Series bietet die Möglichkeit einer Vorveröffentlichung und schnellen Verbreitung von am SFB laufenden oder ihm nahestehenden Forschungsarbeiten. Ziel der Reihe ist es, die SFB-Forschung einer breiteren Forschungsgemeinschaft zugänglich zu machen. Die Veröffentlichung in der Working Paper Series schließt die Publikation überarbeiteter Versionen desselben Beitrags in anderen Zeitschriften nicht aus. Beiträge von Postdocs und etablierten Wissenschaftlicher*innen werden begrüßt. Die Reihe versteht sich als Publikationsforum für die im SFB vertretenen Wissenschaftler*innen, Projekte und ihre laufende Forschung. Die Beiträge erscheinen im Open Access und in limitierter Printauflage. Wenn Sie einen Beitrag in der Working Paper Series veröffentlichen möchten, reichen Sie bitte Ihren Themenvorschlag in Form eines Abstracts (max. 300 Wörter) zusammen mit einer Kurzvita (max. 50 Wörter) ein. Für die Manuskripteinreichung beachten Sie bitte unser Styleguide

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – Projektnummer 262513311 – SFB 1187. Redaktionelle Verantwortung: Karina Kirsten, Universität Siegen & SFB 1187 Medien der Kooperation.