Neues Working Paper zu „What if you weave your own story? Curating Authorship in WE ARE NOT CARPETS“ (No. 43) erschienen
What if you weave your own story? Curating Authorship in WE ARE NOT CARPETS
von Tahereh Aboofazeli (Universität Köln, SFB)
Wie verschieben kollaborative Ausstellungs- und Forschungspraktiken die Grenzen tradierter Autorschaft in der globalen Teppichknüpferei? In diesem Working Paper untersucht Tahereh Aboofazeli das Projekt WE ARE NOT CARPETS: I Tell You My Story als gezielte Intervention in die gesellschaftlich organisierte Anonymität von Knüpferinnen. Das Paper analysiert, wie diese Anonymität durch eine Epistemologie des Nicht-Wissens und die skopische Ökonomie des Teppichmarktes aufrechterhalten wird, untersucht anhand von Rancières Konzepten der Aufteilung des Sinnlichen und des Dissens die Entstehung einer neuen multimodalen kuratorischen Praxis und entwirft eine Neujustierung der Beziehungen zwischen Knüpferin, Publikum und Forschung, um Autorschaft als Unterbrechung etablierter Bedeutungs- und Machtverhältnisse neu zu verorten.
Über das Working Paper
Dieser Artikel untersucht das kollaborative Forschungs- und Ausstellungsprojekt WE ARE NOT CARPETS: I Tell You My Story als eine Intervention in die gesellschaftlich organisierte Anonymität von Teppichknüpfer:innen. Der Artikel argumentiert, dass diese Anonymität nicht einfach eine Wissenslücke ist, sondern ein Feld des aktiven Nicht-Wissens, das durch eine Epistemologie der Unwissenheit und die skopische Ökonomie aufrechterhalten wird, in der Teppiche als kulturelle und narrative Ware zirkulieren. Gegen ein Regime der Neugier, das auf Muster, Region, Authentizität, Technik und Preis ausgerichtet ist, aber selten auf die knüpfende Person, stellte das Projekt den Knüpfer-Kollaborateur:innen die Frage: Was wäre, wenn du, anstatt die vorgegebenen Muster des Marktes zu knüpfen, deine eigene Geschichte weben würdest?
Basierend auf den Teppichen, den Texten und Reflexionen der Knüpfer:innen, der kollaborativen kuratorischen Praxis und den Reaktionen des Publikums bei Ausstellungen in Köln und Siegen zeichnet der Artikel drei miteinander verbundene Verschiebungen nach: das Hervortreten der knüpfenden Person in eine Position der Autorschaft; die Entwicklung einer multimodalen kuratorischen Praxis, die soziale Anerkennung mit ästhetischer Unbestimmtheit verbindet; und die Herausbildung einer neuen Alphabetisierung (literacy), welche die Beziehungen zwischen Knüpfer:in, Betrachter:in, Forscher:in und Kurator:in neu konfiguriert. Im Rückgriff auf Rancières Konzepte der Aufteilung des Sinnlichen und des Dissens argumentiert der Artikel, dass Autorschaft hier nicht als bloßes Hinzufügen einer fehlenden Stimme fungiert, sondern als Unterbrechung jener Szene, die das Herstellen von der Autorität trennt, über Bedeutung, Form, Zirkulation und Interpretation zu bestimmen. Das Kuratieren wird dadurch wiederum zu einer Praxis der Sorge (practice of care) für die Zirkulation, die Wiederkehr und die Aushandlung von Bedeutung an den instabilen Nähten zwischen diesen Positionen.
Über den Author
Tahereh Aboofazeli ist derzeit Doktorandin der Sozial- und Kulturanthropologie an der A.R.T.E.S. Graduate School for the Humanities der Universität zu Köln. Ihre Arbeit erforscht multimodale Wissensproduktion, kollaboratives Geschichtenerzählen und kunstbasierte Forschung. Angetrieben wird ihre Praxis von dem Engagement für inklusive und dekolonisierende Ansätze der Wissensgenerierung. Ihre akademische wie künstlerische Arbeit gründet auf der langjährigen Zusammenarbeit mit marginalisierten Gemeinschaften, insbesondere Arbeiterinnen, Migrantinnen und Kindern. Ihre Dissertationsforschung, die im Rahmen des Projekts Weaving Memories entwickelt wurde, untersucht kritisch die Marginalisierung und Ausbeutung von Knüpfer:innen in der Handteppichindustrie – insbesondere im Kontext persischer Teppiche. Dabei erforscht sie, wie Autoritätsregime, Gender und soziale Dominanzstrukturen Autorschaft, Handlungsfähigkeit (agency) und die Bedingungen der Wissensproduktion prägen. In enger Kollaboration mit den Knüpfer:innen untersucht das Projekt Teppiche als Medium des Geschichtenerzählens, in dem Erinnerung und politische Verhältnisse miteinander verwebt sind.
Über die Working Paper Series
The Working Paper Series of SFB 1187 “Media of Cooperation” brings together current contributions from the field of interdisciplinary and transdisciplinary media research. The SFB Working Paper Series offers the opportunity for pre-publication and rapid dissemination of research work currently being carried out at the SFB or related to it. The aim of the series is to make SFB research accessible to a broader research community. Publication in the Working Paper Series does not preclude the publication of revised versions of the same contribution in other journals. Contributions from postdocs and established researchers are welcome. The series is intended as a publication forum for the researchers represented in the SFB, their projects, and their ongoing research. Contributions are published in open access and in a limited print edition. If you would like to publish an article in the Working Paper Series, please submit your topic proposal in the form of an abstract (max. 300 words) together with a short CV (max. 50 words). For manuscript submission, please refer to our styleguide.
Funded by the German Research Foundation (DFG) – Project number 262513311 – SFB 1187. Editorial responsibility: Karina Kirsten, University of Siegen & SFB 1187 Media of Cooperation.