Keynotes, Workshops & Vorträge für Wissenschaft, Aktivismus und Zivilgesellschaft
Sonne, Wasser, Wind und Boden tragen Bedeutungen und reichen weit über ihre materielle und ökonomische Macht hinaus. Ebenso verhält es sich mit seltenen Erden und Mineralien wie Gold, Kohle, Öl, Lithium und Kobalt. In ihnen offenbaren sich historisierte und materiell-diskursive Formen der Verbundenheit genauso wie Entflechtung, Rassifizierung und Entfremdung. Kolonialismus und Extraktivismus gehen Hand in Hand mit der ökologischen Beherrschung der Erde. Zugleich kann die gesellschaftliche Aushandlung der mit Extraktivismus verbundenen Klimakatastrophe Perspektiven auf Widerstand, Regeneration, Fürsorge, Vielfalt und Kreativität eröffnen. Sogenannte ‚Rohstoffe‘ erzählen von Grenzziehungen, Ausbeutung und Konflikten, aber auch von Sorge, Verbundenheit und neuen Formen des Zusammen(über)lebens. Angesichts von Ressourcen drängt sich die Frage auf, wie wir das Vorhandene in der Klimakatastrophe verteilen und nutzen wollen und wie wir Risiken gerecht verteilen. Fragen der Ressourcengerechtigkeit und Macht, der Repräsentation und gesellschaftlichen Teilhabe sind folglich untrennbar mit Prozessen medialer Vermittlung, sozialer und politischer Aushandlung und Symbolisierung verbunden. Angesichts der aktuellen technofaschistischen Regime müssen wir auch Extraktion als Gewaltform lokal und global mit proprietären technischen Infrastrukturen verbinden – im Ruhrgebiet und anderswo. Es ergeben sich dadurch neue soziale Perspektiven und Möglichkeiten intersektionaler Bündnisse, die einen anderen Blick auf postextraktive Landschaften erlauben. Erneuerbare Energietechnologien und Geoengineering stehen für Alternativen zu einer fossilen Welt, begleitet von medialen Bildern technischer, ‚grüner‘ Innovation. Aber auch sie perpetuieren extraktive Regime, oft verbunden mit Auslagerungen von Risiken, Verletzbarkeiten und Konflikten, wie sie etwa am Beispiel Wasserstoff auszumachen sind.
Die Spring School MEDIEN EXTRAKTIVISMUS setzt sich im Spannungsfeld von Medienkulturwissenschaft und Aktivismus damit auseinander, wie ‚Rohstoffe‘ gewonnen, genutzt, konstruiert, imaginiert und diskursiv verhandelt werden. Dabei wird die komplexe Verwobenheit von Materialität, medialer Inszenierung, Imagination und gesellschaftlicher Bedeutungszuweisung reflektiert:
- Welche Bilder, Narrative und Frames prägen öffentliche Vorstellungen von Rohstoffen, Energiequellen oder nachhaltigen Alternativen?
- Wie wird in journalistischen, sozialen und künstlerischen Formaten die Fragilität und Dringlichkeit von Ressourcen, aber auch ihre schöpferische Kraft der Heilung und der Sorge inszeniert?
- Welche extraktiven Regime erzeugen algorithmische und cloudbasierte Systeme oder setzen sie fort?
- Wie erzählen wir die mit KI und Cloud Computing verbundenen Wasser, Landnutzungs- und Energiekonflikte?
- Wo können wir auch im Alltag Widerstand gegen extraktive Gewalt mobilisieren und praktizieren?
Die Spring School lädt Wissenschaftler:innen, Aktive und Journalist:innen ein, theoretische und empirische Zugänge zu Ressourcen als medienkulturelle Phänomene zu erproben. Im Rahmen der Spring School wollen wir nicht nur Diskurse und Repräsentationen analysieren, sondern auch neue performative und partizipative Kommunikationsformate denken. Ziel ist es, wissenschaftliche Perspektiven mit klimapolitischem Handeln zu verbinden und damit neue Impulse für eine kritische Analyse von medienbedingter Extraktion zu setzen, die das öffentliche Verständnis von Nachhaltigkeit kritisch erweitert und angesichts der Dringlichkeit zu handeln, Umgänge mit der Klimakatastrophe finde.
Wir freuen uns auf Vorträge von und Workshops mit Migration Audio Archiv, Jakob Claus, Gerko Egert, Azadeh Ganjeh, Matthias Grotkopp, Mariette Kesting, Frederike Lange, Petra Löffler, Julia Nitschke, Maike Reinerth, Rémi Willemin und anderen.
Infos und Anmeldung
Wir bitten um Anmeldung an mail[æt]mediaclimatejustice.org
Das Orga-Team Alisa Kronberger, Julia Bee, Gerko Egert und Julia-Lena Reinermann

Veranstaltungsort
Quartiershalle
Stühmeyerstraße 33
44787 Bochum
Programm
17.04.26
Day 1
Begrüßung & Einführung
Julia Bee, Gerko Egert, Alisa Kronberger, Julia Reinermann
Vorträge & Paneldiskussion
Marietta Kesting: Datenspeicherung und Aeropolis: Raubbau an Luft und Wasser; Frederike Lange: Revier Noir. Bergbauerbe als Sorge am Toxischen; Julia Nitschke: Dark Room Ruhr: Queere Spuren unter Tage zwischen Ruhrgebiet und Oberschlesien; Panel-Diskussion Extraktivismus mit Vortragenden, Julia Bee und Oliver Leistert
18.04.26
Day 2: Workshops
Extraktivismus unter und über Tage
Jakob Claus, Petra Löffler & Marlene Helling
No Justice In A Racist Climate! Wie kolonial ist dein Blick auf Klimagrechtigkeit?
Sara Bahadori
What do we want? Climate Justice in Film/Wissenschaft
Matthias Grotkopp & Maike Reinerth
Waterscaping Ourselves: Erkundung wahrscheinlicher und erwünschter Zukünfte des Grummer Bachs
Remi Willemin & Alisa Kronberger
Braune Linien im Ruhrgebiet: Die Emscher und Persistenzen extraktivistischer Umgebungen
Natalie Pielok
Lecture Performance: Fault Line: Survival as Unrest under Extractive Regimes
Azadeh Ganjeh
19.04.26
Day 3
Climate Narratives: Listening Session zu Klimaaktivismus und Klimaflucht
Kolloquium: Klima Lehre
Stadtführung
Bochum Dekolonial mit Marie Sprenger und Florian Trompke
Kontakt
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