SFB 1187 ›Medien der Kooperation‹ an der Universität Siegen
Werkstatt Praxistheorie – Ann-Sophie Lehmann (Groningen): „Die Augen der Lithopresse: Anthropomorphe Objekte und Mutable Mobiles als Lehr-Medien in der Künstlerwerkstatt“
Mittwoch, 20. Juni 2018, 18:00-20:00 Uhr
Die Vermittlung von technischen und künstlerischen Verfahren und den ihnen innewohnendem Material- und Praxiswissen ist bekanntlich schwierig. Statische Bilder und Texte können darin immer nur eine ergänzende Funktion haben, da sie die Gleichzeitigkeit der Interaktion von Hand, Material, Werkzeug und herzustellendem Objekt nur unzureichend beschreiben, während Film zwar jene Komplexität erfassen kann, aber Herstellungsprozesse häufig idealisiert, ästhetisiert oder ‘depräsentiert’, in dem das, was langweilig, wiederholend oder fehlerhaft ist, nicht oder ausschließlich  gezeigt wird.
                     
In der Praxis muss Materialwissen darum immer wieder neu produziert, erlebt und gelernt werden. Dort wo Materialwissen gelernt werden kann, in Werkstätten, entstehen zu diesem Zweck immer wieder hybride mediale Formate, dies es Experten erlauben, ihr Wissen zu zeigen und zu vermitteln. Diese Medien scheinen sich jeglicher Standardisierung zu entziehen und widersprechen so scheinbar einer Basisdefinition des Medialen. Sie entstehen aus konkreten räumlichen und materiellen Bedingungen und sind ephemer und spontan, jedoch trotzdem geordnet und reproduzierbar, es sind mutable mobiles. Zu diesen Medien der Vermittlung gehören Materialproben, Verfahrensskizzen, Anordnungen von Objekten, Handlungen mit Materialien, die immer im Rahmen einer Kooperation zwischen Lehrer und Lehrenden entstehen, benutzt, aufgeräumt, weggeworfen werden um in der nächsten Lehrstunde oder Lektion wieder neu  zu entstehen.
         
In Interviews sowie der Beobachtung und Teilnahme an Vermittlungssituationen mit den Werkstattleitern Fotografie, Gips & Ton, Lithographie und Farbe der Kunstakademie Minerva, Groningen, werden diese Medien sichtbar und zeigen ihre Affinität zum boundary objects, wie Sebastian Gießmann und Nadine Taha es beschreiben: „Das Grenzobjekt sitzt als Medium tatsächlich »in der Mitte« und versammelt ein Kollektiv von Akteuren bzw. eine Praxisgemeinschaft um sich, oder bringt sie teils erst hervor. Für die Beteiligten definiert es eine Situation. Es ist auf diese Art und Weise ein Medium. Im konkreten Gebrauch ist es ein Mediator, dessen Vermittlungsfunktion eher »in Aktion« praktisch hervorgebracht wird als dass sie sozial, technisch, ökonomisch oder ästhetisch präfiguriert ware“ (Grenzobjekte & Medienforschung, 2017, S. 34).
       
Der zweite Teil des Vortrages versucht eine historische Einordnung solcher ephemeren Vermittlungsmedien, die durch Standardisierung  (etwa Lehrmittelkästen, Materialarchive, Object Lessons) immer wieder ihre eigene Aufhebung betrieben haben, da ihre notwendige Vergänglichkeit, Verschiedenartigkeit und Prozesshaftigkeit sich dem Prinzip Archivierung und Wiederverwendung zu wiedersetzen scheint.

Veranstaltungsort

Universität Siegen
Campus Herrengarten
AH - A 217/18
Herrengarten 3
57072 Siegen

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