Sensing Loss – Uni Köln goes r e t u r n: 60 Minutes AnthroLab.
Donnerstags 16:30-17:30Uhr
Prof. Dr. Erella Grassiani (Amsterdam): Arboreal Nationalism: Planted landscapes of death and return in Israel / Palestine
Im Februar 2026 pflanzten Hinterbliebene im Rahmen einer feierlichen Pflanzaktion Tausende junger Setzlinge. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Jüdischen Nationalfonds (KKL-JNF), einer im 20. Jahrhundert gegründeten Organisation, deren Ziel es war, Land in Palästina für die Gründung des jüdischen Staates zu erwerben. Diese Setzlinge sollen Teil eines neuen Waldes werden, des „Eisernes Schwert“-Waldes, benannt nach Israels Militäroperation im Gazastreifen, und dienen dem Gedenken an die Zivilisten, die am 7. Oktober von der Hamas getötet wurden, sowie an die Soldaten, die an diesem Tag und danach starben. Jeder junge Baum wird von einem Schild flankiert, auf dem der Name sowie das Geburts- und Sterbedatum eines der Verstorbenen vermerkt sind.
In diesem Vortrag werde ich die Anpflanzung und die Vorstellung dieses Waldes sowie die Bedeutung von Tod und Gedenken durch die Rückkehr in die Landschaft Israels/Palästinas unter dem Gesichtspunkt des „arborealen Nationalismus“ analysieren. Ich werde aufzeigen, wie die gewaltsamen Todesfälle und ihr Gedenken durch das Pflanzen neuer Bäume als Wiederbelebung der zionistischen Landschaft und als feste Verwurzelung in ihr fungieren. Die vom Krieg schwer gezeichnete Landschaft wird der Öffentlichkeit zur Freude zurückgegeben, aber auch als Auseinandersetzung mit den Toten.
————
Die Diskussionsreihe Sensing Loss bringt ethnologische Forschungen aus der Universität ins Museum. Sozial- und Kulturanthropolog:innen aller Karrierestufen berichten aus ihren aktuellen Forschungen, wie Menschen Verlust erfahren und Verlusterfahrungen bearbeiten. Sensing Loss fragt, wie Verlust begegnet, verkörpert und verräumlicht wird – und wie aus Vertreibung, Enteignung und vergangenem Unrecht neue Zukünfte gewonnen werden können. Erfahrungen des Verlusts (loss), ihre Konfrontation und Aufarbeitung [r e t u r n] sind dabei so vielfältig wie die Situationen, in denen Menschen Kolonialismus, Marginalisierung oder Gewalt begegnen. Die öffentlichen Vorträge diskutieren Formen des Sensing, über die Menschen Verlust gewahr werden, und Sense Making, d.h. die Frage, wie Menschen Verlusterfahrungen eine Bedeutung verleihen. Trauer, Verlust und Erinnerung können zur Quelle werden, Ansprüche an die Gegenwart zu artikulieren und zwischen Menschen und Orten, Vergangenheit und Zukunft neue Verbindungen zu erarbeiten. Im Sinne der Ausstellung r e t u r n beschäftigen sich die Vorträge mit ganz unterschiedlichen Momenten und Formen der Trauer, der Nostalgie, der Erinnerungsarbeit und des gemeinsamen Aufbruchs.
————
The lecture series Sensing Loss connects anthropological thinking across university and museum spaces. Social and cultural anthropologists at all career stages discuss their ongoing research to explore how people sense and make sense of loss. Sensing Loss asks how loss is experienced, embodied and spatialized – and how displacement, dispossession and past injustices can become sources for new future-making practices. Experiences of loss, their confrontation, and the ways in which people try to come to terms with them – and find ways to r e t u r n – are as diverse as the situations in which people experience colonialism, violence or marginalization.
The public lectures discuss how grief, loss and remembrance can become resources for articulating claims on the present, and for shaping new connections between people and places, past and future. In resonance with the exhibition r e t u r n at the RJM, the lectures engage with diverse moments and forms of grief, nostalgia and memory work, as well as with joint departures into new futures.

Veranstaltungsort
Köln