Sensing Loss – Uni Köln goes r e t u r n: 60 Minutes AnthroLab.
Donnerstags 16:30-17:30Uhr
Prof. Dr. Alice von Bieberstein (Berlin): Sehnsucht und Berührungsängste: Westarmenien für die Nachfahren der Überlebenden des armenischen Völkermords
Genozidale Gewalt ist welterschütternd, Welten-zerstörend. Das, was wir heute vor allem als Osttürkei bezeichnen, was gleichzeitig als Nordkurdistan bekannt ist, war bis 1915 Teil des historischen Siedlungsgebiet der Armenier*innen. In den Jahren des ersten Weltkriegs wurden ca. 1,5 Millionen von ihnen vertrieben und ermordet. Überlebende in der Region wurden entweder zwangsassimiliert oder emigrierten mit der Zeit in die Metropolen der Westtürkei und später ins Ausland. Viele Jahrzehnte lang lagen die östlichen Gebiete der Türkei außerhalb der Reichweite der Überlebenden; erst in den letzten Jahrzehnten entstand zaghaft eine Art Pilger-Tourismus. Der Vortrag diskutiert genozidale Gewalt als eine radikale Kraft der Trennung und beschreibt, was für Auswirkungen das auf die sinnlich-körperliche Begegnung der in der Diaspora lebenden Nachfahren mit dem Land ihrer Vorfahren hat.
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Die Diskussionsreihe Sensing Loss bringt ethnologische Forschungen aus der Universität ins Museum. Sozial- und Kulturanthropolog:innen aller Karrierestufen berichten aus ihren aktuellen Forschungen, wie Menschen Verlust erfahren und Verlusterfahrungen bearbeiten. Sensing Loss fragt, wie Verlust begegnet, verkörpert und verräumlicht wird – und wie aus Vertreibung, Enteignung und vergangenem Unrecht neue Zukünfte gewonnen werden können. Erfahrungen des Verlusts (loss), ihre Konfrontation und Aufarbeitung [r e t u r n] sind dabei so vielfältig wie die Situationen, in denen Menschen Kolonialismus, Marginalisierung oder Gewalt begegnen. Die öffentlichen Vorträge diskutieren Formen des Sensing, über die Menschen Verlust gewahr werden, und Sense Making, d.h. die Frage, wie Menschen Verlusterfahrungen eine Bedeutung verleihen. Trauer, Verlust und Erinnerung können zur Quelle werden, Ansprüche an die Gegenwart zu artikulieren und zwischen Menschen und Orten, Vergangenheit und Zukunft neue Verbindungen zu erarbeiten. Im Sinne der Ausstellung r e t u r n beschäftigen sich die Vorträge mit ganz unterschiedlichen Momenten und Formen der Trauer, der Nostalgie, der Erinnerungsarbeit und des gemeinsamen Aufbruchs.
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The lecture series Sensing Loss connects anthropological thinking across university and museum spaces. Social and cultural anthropologists at all career stages discuss their ongoing research to explore how people sense and make sense of loss. Sensing Loss asks how loss is experienced, embodied and spatialized – and how displacement, dispossession and past injustices can become sources for new future-making practices. Experiences of loss, their confrontation, and the ways in which people try to come to terms with them – and find ways to r e t u r n – are as diverse as the situations in which people experience colonialism, violence or marginalization.
The public lectures discuss how grief, loss and remembrance can become resources for articulating claims on the present, and for shaping new connections between people and places, past and future. In resonance with the exhibition r e t u r n at the RJM, the lectures engage with diverse moments and forms of grief, nostalgia and memory work, as well as with joint departures into new futures.

Veranstaltungsort
Köln