SFB 1187 ›Medien der Kooperation‹ an der Universität Siegen
Workshop – Klandestine (Teil-)Öffentlichkeiten
Donnerstag, 26. September 2019 Organisiert von den Teilprojekten B01 (Nadja Reinhard), B04 (Konstantin Aal, Simon Holdermann), B06 (Kathrin Englert, Vincent Knopp)

Der Workshop fokussiert in vergleichender Perspektive die Grenzziehungen zwischen adressierten (Teil-)Öffentlichkeiten und denjenigen Akteur/innen bzw. Institutionen, die von solchen (Teil-)Öffentlichkeiten explizit oder implizit ausgeschlossenen werden. Raum-zeitlich wird der Vergleich durch die beteiligten Teilprojekte abgesteckt: Er reicht von literarischen Öffentlichkeiten im deutschsprachigen 18. Jahrhundert und Medienpraktiken von Patronage und Freundschaft über digitale Öffentlichkeiten und gesellschaftliche Transformation im Maghreb bis hin zur Überwachungsgesellschaft und der Frage nach un-/erbetener Beobachtung im sozialen Feld der Medien. Die übergeordnete Leitfrage lautet: Wie waren und sind klandestine (Teil-)Öffentlichkeiten überhaupt möglich? Damit verbunden: Wie wurden bzw. werden sie hervorgebracht oder stabilisiert und welche Datenpraktiken gingen und gehen damit einher? Im Einzelnen ergeben sich folgende Fragekomplexe:

Wie verhält sich das Klandestine zu den Begriffen der ‚Intimität‘ und ‚Privatheit‘? Schließen sich nicht eigentlich ‚geheim‘ – ‚heimlich‘ – ‚verborgen‘ und ‚öffentlich‘ als Begriffe aus? Wie gestalten sich dann im Klandestinen die Übergänge verschiedener Grade der Öffentlichkeit als Teil-Öffentlichkeiten? Sollte man in diesem Zusammenhang besser von fragmentierten Öffentlichkeiten reden?

Welche Wirkmechanismen von Inklusion und Exklusion sind zu beobachten und wie werden sie aktiv gesteuert? Inwiefern ist das Klandestine mit Exklusivität verknüpft und wie wirkt es sich auf die emotionale Bindung und Verbindlichkeit aus? Welche Strukturen, Regeln und Praktiken gibt es in klandestinen (Teil-)Öffentlichkeiten? Welche Rolle spielen Klugheit und Freundschaft? Welche politischen und pragmatischen Funktionen sind mit klandestinen Öffentlichkeiten verknüpft und wie korrelieren und interagieren sie mit Herrschafts- und Gesellschaftsstrukturen? Welche historischen Dimensionen sind als bestimmende Faktoren zu berücksichtigen? Welche Faktoren sind im Klandestinen nach wie vor wirksam?

Welche Arten von Konstellationen und Netzwerkstrukturen werden durch klandestine (Teil-)Öffentlichkeiten begünstigt bzw. überhaupt erst ermöglicht? Gerade im World Wide Web oder bei Messenger-Diensten und Social Media-Plattformen basiert alle Nutzung darauf, dass Daten ‚öffentlich‘ sind oder zumindest von anderen (auch wirtschaftlich) nutzbar gemacht werden können. Inwiefern schaffen die damit verbundenen Daten-Praktiken – online und durch Informations- und Kommunikations-Techniken (ICTs) – eine als ‚objektiv‘ wahrgenommene Medien-Wirklichkeit und eine eigene soziale Welt? In welchem Zusammenhang stehen diese Daten-Praktiken mit Prozessen, die als ‚Zersetzung der zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit‘ beschrieben werden? Wo entstehen Brüche oder Konfliktlinien? Was ist dann gegenwärtig (noch) unter ‚öffentlich‘ oder einer ‚versteckten Öffentlichkeit‘ zu verstehen?

Dadurch, dass die Algorithmen der Webseiten versuchen, die Interessen ihrer Nutzer/innen vorherzusagen, entstehen sogenannte Filter- oder Informationsblasen. Wie verhält sich dieses Phänomen zum Begriff der fragmentierten Öffentlichkeit? Ist eine Filterblase als fragmentierte Öffentlichkeit zu verstehen? Wann werden fragmentierte Öffentlichkeiten, intime Räume oder halb-öffentliche Räume (seien sie on- oder offline) klandestin?

Veranstaltungsort

Universität Siegen
Campus Herrengarten
AH-A 217/218
Herrengarten 3
57072 Siegen