Neuigkeiten

16. April 2020
6 Kurzzeitstipendien im integrierten Graduiertenkolleg des SFB ab 1. Juli 2020
An der Universität Siegen sind ab dem 01.07.2020 im Rahmen der Nachwuchsförderung des DFG-Sonderforschungsbereichs...
6 Kurzzeitstipendien im integrierten Graduiertenkolleg des SFB ab 1. Juli 2020

An der Universität Siegen sind ab dem 01.07.2020 im Rahmen der Nachwuchsförderung des DFG-Sonderforschungsbereichs 1187 „Medien der Kooperation“

sechs Kurzzeitstipendien

zu besetzen. Die Laufzeit der Stipendien beträgt 6 Monate. Eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Ziel der Promotion innerhalb des SFB wird angestrebt. Der Grundbetrag des Stipendiums richtet sich nach dem Höchstsatz der DFG (1.365,- EUR). Zusätzlich werden ein Sachkosten­zuschuss und ggf. eine Kinderzulage gezahlt. Die Besetzung der Stipendien steht unter dem Vorbehalt der Mittelfreigabe durch die DFG.

Die Universität Siegen ist mit knapp 20.000 Studierenden, ca. 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik und Verwaltung eine innovative und interdisziplinär ausgerichtete Universität. Sie bietet mit einem breiten Fächer­spektrum von den Geistes- und Sozialwissenschaften über die Wirtschaftswissenschaften bis zu den Natur- und Ingenieurwissenschaften ein hervorragendes Lehr- und Forschungsumfeld mit zahlreichen inter- und transdisziplinären Forschungsprojekten. Die Universität Siegen bie­tet vielfältige Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Sie ist deswegen seit 2006 als familiengerechte Hochschule zertifiziert und bietet einen Dual Career Service an.

SFB 1187 „Medien der Kooperation“

Der SFB ist ein interdisziplinärer Forschungsverbund, bestehend aus 15 Projekten und mehr als 60 Wissenschaftler*innen aus Medienwissenschaft, Science and Technology Studies, Ethnologie, Soziologie, Sprach- und Literaturwissenschaft, Informatik und Medizin sowie den Geschichts-, Erziehungs- und Ingenieurswissenschaften. Er wird seit 2016 von der DFG gefördert. Der SFB untersucht die Entstehung und Verbreitung digital vernetzter, datenintensiver Medien und versteht diese als kooperativ erarbeitete Kooperationsbedingungen. Im Zentrum der Forschungen der beteiligten Teilprojekte stehen Datenpraktiken, die im situierten Zusammenspiel von Medienpraktiken, Infrastrukturen und Öffentlichkeiten erforscht werden.

Über das neu etablierte Kurzstipendienprogramm des SFB erhalten nationale und internationale Doktorand*innen die Möglichkeit, ihr Forschungsprojekt im SFB weiterzuentwickeln, beteiligte Forscher*innen der Teilprojekte kennenzulernen und sich mit diesen auszutauschen. Thematisch sollen die Forschungsprojekte der Stipendiat*innen im Umfeld der Teilprojekte des SFB angelegt sein, damit ihre Arbeit von den Projekten unterstützt werden kann. Organisatorisch sind die Stipendiat*innen dem neu eingerichteten integrierten Graduiertenkolleg (MGK) des SFB zugeordnet und profitieren von seinem strukturierten Qualifizierungskonzept. Der SFB bietet Stipendiat*innen ein internationales Umfeld für interdisziplinäre Medienforschung sowie ein umfassendes Veranstaltungsprogramm und Methodentraining u.a. im Bereich ethnografischer, digitaler, sensorbasierter und linguistischer Methoden.

Nähere Informationen zu den Schwerpunkten und Teilbereichen des SFB finden Sie unter: https://www.mediacoop.uni-siegen.de.

Ihr Profil

−   Einschlägiger, überdurchschnittlicher Studienabschluss in einer der am SFB beteiligten oder verwandten Disziplinen, bevorzugt in der Medien- und Kulturwissenschaft, Soziologie oder im Bereich der Sozio- oder Wirtschaftsinformatik, Human-Computer-Interaction oder Informationssysteme (Master, Magister, Diplom oder Lehramt/Staatsexamen Sek. II)

−   Eigenes Forschungsvorhaben in einer der o.g. Disziplinen im Themenbereich des SFB. Idealerweise können Sie das Projekt einem der Teilbereiche des SFB – Infrastrukturen, Öffentlichkeiten oder Praxeologie – zuordnen

–   Interesse an Methoden der Medienforschung, der Analyse von Datenpraktiken sowie Affinität zu interdisziplinären Arbeits­weisen

–   Bereitschaft sich am internationalen Veranstaltungsprogramm des SFB und des MGK zu beteiligen

–   Sehr gute deutsche und englische Sprachkenntnisse in Wort und Schrift

Ihre Aufgaben

Erwartet werden:

–   Regelmäßige Teilnahme und inhaltliche Mitwirkung am Veranstaltungs- und Qualifizierungsprogramm des MGK (Kolloquien, Work­shops, Summer Schools, Methodenwerkstätten, interdisziplinäre Kleingruppen)

–   Präsentation von Zwischenergebnissen des Forschungsvorhabens innerhalb des MGK-Kolloquiums

Chancengerechtigkeit und Diversity werden an der Universität Siegen gefördert und gelebt. Bewerbungen von Frauen sind uns ausdrücklich willkommen und werden gemäß Landesgleichstellungsgesetz besonders berücksichtigt. Gleichermaßen wünschen wir uns Bewerbungen von Personen mit unterschiedlichstem persönlichen, sozialen und kulturellen Hintergrund, Menschen mit Schwerbehinderung und diesen Gleichgestellten.

Auskunft erteilt Herr Dr. Timo Kaerlein (Tel.: +49 271/740-5251)

E-Mail: timo.kaerlein@uni-siegen.de

Ihre Bewerbungsunterlagen (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugniskopien, 3-seitige Skizze einer Projektidee zuzgl. Auswahlbibliographie) richten Sie bitte bis zum 15. Mai 2020 an Dr. Timo Kaerlein, Herrengarten 3, 57072 Siegen. Alternativ können Sie Ihre Bewerbung auch in einer PDF-Datei per E-Mail senden (eine PDF-Datei, max. 5 MB). Bitte beachten Sie, dass Gefährdungen der Vertraulichkeit und der unbefugte Zugriff Dritter bei einer Kommunikation per unverschlüsselter E-Mail nicht ausgeschlossen werden können.

Informationen über die Universität Siegen finden Sie auf unserer Homepage www.uni-siegen.de.

27. Februar 2020
Erhard Schüttpelz zum Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften in der FAZ
Erhard Schüttpelz hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Beitrag über das Verhältnis von...
Erhard Schüttpelz zum Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften in der FAZ

Erhard Schüttpelz hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Beitrag über das Verhältnis von Geistes- und Naturwissenschaften veröffentlicht. Häufig wird die Ansicht vertreten, der Konstruktivismus begünstige „Fake News“, befeuere die Konkurrenz der Wissenschaften und schwäche die Geisteswissenschaften. Schüttpelz argumentiert dagegen, dass Zweifel und philosophische Vorbehalte, Relativismus und Konstruktivismus gerade heute ein dringend benötigter Schutzschild gegen parteipolitische und kommerzielle Vereinnahmungen der Naturwissenschaften sein können.

Den vollständigen Artikel finden Sie HIER.

27. Februar 2020
Neue Veröffentlichung: „Studien zur Ethnomethodologie“ von Harold Garfinkel; Hrsg. von Erhard Schüttpelz, Anne Warfield Rawls und Tristan Thielmann.
Harold Garfinkels Werk "Studies in Ethnomethodology" hat einst die Sozialwissenschaften revolutioniert,...
Neue Veröffentlichung: „Studien zur Ethnomethodologie“ von Harold Garfinkel; Hrsg. von Erhard Schüttpelz, Anne Warfield Rawls und Tristan Thielmann.

Harold Garfinkels Werk „Studies in Ethnomethodology“ hat einst die Sozialwissenschaften revolutioniert, indem es die herkömmlichen Theorien über Bord warf und das menschliche Alltagshandeln zum Gegenstand der Forschung machte. Soziale Wirklichkeit wird, so seine These, durch alltagspraktische Handlungen hergestellt. Diese uns selbstverständlich erscheinenden Praxen nahm Garfinkel ins Visier. Das Buch, 1967 in den USA erschienen, gehört schon lange zu den großen Klassikern der Sozialwissenschaften. Mit diesem Band liegt die bahnbrechende Studie endlich auch in deutscher Übersetzung vor.

Aus dem Englischen von Brigitte Luchesi.

Die Veröffentlichung finden Sie HIER.

07. Januar 2020
Neue Veröffentlichung: „The History of Gulfport Field 1942“ von Harold Garfinkel
Der Band „The History of Gulfport Field 1942“ macht erstmals eine bislang unveröffentlichte Studie...
Neue Veröffentlichung: „The History of Gulfport Field 1942“ von Harold Garfinkel

Der Band „The History of Gulfport Field 1942“ macht erstmals eine bislang unveröffentlichte Studie aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zugänglich. Im Auftrag der US-Luftwaffe im Jahr 1943 geschrieben, beschäftigt sich Harold Garfinkel hier mit der Praxis der Ausbildung von Flugzeugmechanikern der US-amerikanischen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum steht die Frage, wie die Ausbilder auf dem Stützpunkt Gulfport Field (Mississippi) unterschiedliche Dringlichkeiten gegeneinander aufwiegen: Die schnelle Konstruktion von Flugzeugen, eine gestiegene Nachfrage nach ausgebildetem Personal und kürzere Zeiträume für die Ausbildung trafen auf Materialknappheit und einen Mangel an erfahrenen Ausbildern. Angesichts dieser sich widersprechenden Anforderungen etablierte sich auf dem Stützpunkt eine Strategie der Praxisorientierung, gepaart mit einem „Willen zum Sieg“. Die Praxis und das „Anpacken“ wurden gegenüber theoretischem Wissen und konventioneller Unterweisung privilegiert.

Die Studie gibt einen frühen Einblick in die Entwicklung von Garfinkels Ethnomethodologie und einen Ausblick auf seine späteren Workplace Studies und STS-Forschungen und deren Verbindung zu Debatten in der Soziologie. Die Ausgabe beinhaltet ein 48-seitiges Nachwort von Michael Lynch und Anne Rawls.

Eine Faksimile-Edition dieser ersten STS-Studie von Harold Garfinkel können Sie per Mail bestellen (69,00 € inkl. Mwst): katharina.dihel@uni-siegen.de

03. Dezember 2019
Jahrestagung SFB “Medien der Kooperation” 2019 Nachbericht
Autor: Manuel Müller (Teilprojekt Ö) Vom 24. bis zum 26. Oktober 2019 fand an der Universität Siegen...
Jahrestagung SFB “Medien der Kooperation” 2019 Nachbericht

Autor: Manuel Müller (Teilprojekt Ö)

Vom 24. bis zum 26. Oktober 2019 fand an der Universität Siegen die vierte Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs “Medien der Kooperation” statt. Unter dem Titel “Data Practices: Recorded, Provoked, Invented” stellten Wissenschaftler*innen aus sieben Ländern Ergebnisse und neue Ansätze im Bereich der sogenannten “Datenpraktiken” vor.

Der Sonderforschungsbereich 1187 “Medien der Kooperation” ist eine interdisziplinäre Gruppe von 15 Projekten mit über 60 Mitarbeiter*innen aus elf Fachbereichen der Universität Siegen. Diese diversen Forschungsgruppen verbindet ein gemeinsames Interesse an digitalen Medien und neuen Formen und Praktiken der Kooperation. Von seiner Gründung an war es ein erklärtes Ziel des SFB, die oft scheinbar unübersichtliche und sich ständig verändernde digitale Welt verständlicher und ihre historischen Kontexte erkenntlicher zu machen.

Ein zentrales Ergebnis der Forschung im SFB ist die Erkenntnis, dass zunehmend alle Medienpraktiken auch als Datenpraktiken verstanden werden müssen. Wer mit digitalen Medien zu tun hat, produziert Daten, sei es als Datenspur von Aktivitäten im Netz, in Form der Kuration von Bildern und Videos auf Plattformen, oder in der Archivierung und dem Teilen von Forschungsdaten durch Wissenschaftler*innen. Diese Datenpraktiken sind für viele Disziplinen interessant. Entsprechend war die Auswahl an Wissenschaftler*innen, die ihre Forschungsergebnisse und neue Ansätze im Verlaufe der drei Tage vortrugen, divers aufgestellt. Die Tagung wurde in sechs Themenbereiche aufgeteilt. Zusammen mit zwei Keynote-Vorträgen entstand so ein Überblick über die weitreichenden Einflüsse und möglichen Betrachtungsweisen von “Datenpraktiken”.

Die Jahrestagung begann am Donnerstag, den 24.10., mit dem Themenbereich “Histories of Data Practices”. Beide Vorträge des Bereichs präsentierten historische Beispiele für Interaktionen zwischen Menschen und Daten, die schon vor der Digita-lisierung vorhanden waren und sich bis in die Gegenwart fortsetzen. Liam Cole Young, Assistant Professor an der Carleton University in Kanada, unternahm dies mit seinem Vortrag “Pop Music Charts and the Metadata of Culture” am Beispiel der “Billboard Hot-100”-Musikcharts. Musikcharts, so Young, seien beispielhaft für den Einfluss von Listen auf bestehende und neue Ordnungs- und Wissenspraktiken. Dr. Tahani Nadim von der Humboldt-Universität Berlin thematisierte in ihrem Vortrag “Capturing data creatures” unterschiedliche Katalogisierungsformen in Naturkundemuseen. Von der historischen Beschriftung einzelner Exponate durch Kurator*innen bishin zum digitalen “Barcode” wurden langanhaltende und komplizierte Verknüpfungen von Entscheidungsträgern, Praktiken und Objekten in Museen erkenntlich gemacht.

In der ersten Keynote sprach Prof. Celia Lury von der Universität Warwick unter dem Titel “People Like You: The distributive uncertainties of personalising (data) practices” über die Beziehung zwischen dem aktuellen Hang zu Personalisierung und Datenpraktiken. An zwei scheinbar unterschiedlichen Beispielen – britischen Brustkrebs-Studien und der #metoo-Bewegung – beschrieb Lury ein Konzept konstruierter “Vergleichbarkeit”.

Der zweite Tag begann mit dem Themenbereich “Automation and Agency”. In den drei Vorträgen dieses Bereichs ging es um die Interaktionen menschlicher Akteure in und mit einer immer mehr von Automatismen und Algorithmen gesteuerten Lebens- und Arbeitswelt. So beschrieb Dr. Nathaniel O’Grady von der Universität Manchester das Beispiel von LinkNYC, einer kostenlosen öffentlichen WLAN-Infrastruktur in New York, und insbesondere deren Rolle als automatisiertes Notrufsystem. Dieses neue System und die damit verbundenen Logiken, so O’Grady, haben enorme Auswirkungen auf bestehende Autoritätskonzepte und Entscheidungsfindungen im Bereich urbaner Sicherheit. Malte Ziewitz, Professor an der amerikanischen Cornell University, beschrieb in seinem Vortrag “Black Hat, White Hat” ethische Problematiken im Bereich der Suchmaschinen-Optimierung (SEO). Basierend auf Feldforschung mit britischen SEO-Beratern schilderte Ziewitz eine vielschichtige Situation, in der die Manipulation von Algorithmen durch Expert*innen neue Probleme von Legalität und Ethik aufwirft. Diese lassen sich nicht einwandfrei in vorhandene moralische Kategorien einordnen. Im letzten Vortrag des zweiten Themenbereichs sprach Eva-Maria Nyckel von der Humboldt-Universität Berlin über Datenpraktiken im Bereich des Prozessmanagements. Anhand der Plattform “Salesforce” untersuchte sie die Auswirkungen solcher Systeme auf medienwissenschaftliche Perspektive – besonders in Hinsicht auf die Registrierung und Kontrolle von Arbeitsprozessen.

Im dritten Themenbereich, “Data Ethnography”, ging es in erster Linie um die Schnittstelle zwischen Datenpraktiken und ethnographischer Forschung. So begann Dr. Emma Garnett vom King’s College London in “Sensing Bodies” mit einer Diskussion über den Nutzen neuer und kostengünstiger Sensortechnik in Studien über Luftverschmutzung direkt am menschlichen Körper. Diese neue, enge Beziehung zwischen Technologie und Mensch wirft Fragen nach der Auswahl und Ethik von Testsubjekten in so bisher kaum untersuchten Feldern auf. Dr. Tommaso Venturini, Forscher am französischen Zentrum für Internet und Gesellschaft, brachte dem Publikum in “Sprinting with Data” ein in den Sozial-wissenschaften noch neues Konzept näher: In sogenannten “Data-Sprints” kollaboriert eine Gruppe interdisziplinärer Forscher an einem gemeinsamen Datensatz. Venturini diskutierte grundlegende Konzepte hinter solchen “Sprints” und gab Hinweise für die Organisation datengetriebener Forschungstreffen. Im dritten Vortrag, “Unexpected openings in data ethnography”, sprach Prof. Minna Ruckenstein von der Universität Helsinki über das Projekt “Citizen Mindscapes”. Die Kollaboration von Ethnograph*innen mit Moderator*innen der Webseite “Suomi24” in der Auswertung von Millionen Foreneinträgen aus 15 Jahren führte zu neuen Ansätzen und Ideen über die Produktion und Nutzung von großen Datenmengen im Internet. Im letzten Vortrag des Themenbereichs sprach Dr. Robert Seyfert von der Universität Duisburg-Essen über Schwierigkeiten in der öffentlichen Wahrnehmung von selbstfahrenden Fahrzeugen. Eine überhastete Fokussierung auf noch gar nicht existente Techniken berge die Gefahr der Überschätzung und Fehleinschätzung “autonomer” Fahrzeuge. Seyfert sprach sich für eine realistischere Neuausrichtung der Debatte aus, in der es in erster Linie um die Kooperation zwischen Menschen und Maschinen gehe.

Der vierte Themenbereich, “Digital Care”, beinhaltete Vorträge über die Nutzung von Datenpraktiken in medizinischen Anwendungsbereichen. Julia Kurz und Dmitri Presnov von der Universität Siegen sprachen in “Data Multiple” über die Sammlung und Auswertung komplexer Datenfelder in Krankenhäusern; sie stellten dabei besonders die Integration von Daten in den Arbeitsbetrieb als notwendig heraus. Isabel Schwaninger von der TU Wien brachte in ihrem Vortrag “Older Adults, Trust and Robots” das Konzept des Vertrauens in die Diskussion. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine im Bereich der Altenpflege sei stark abhängig von Vorstellungen über die Vertrauenswürdigkeit solcher Roboter. Durch aktive Konversation zwischen Forscher*innen und Patient*innen könnten Vorurteile abgebaut und Vertrauen geschaffen werden. Zuletzt sprach Dr. Kate Weiner von der Universität Sheffield in “Everyday curation” über die Herausforderungen medizinischer Selbstüberwachung. Ihre Forschung legt nahe, dass Forscher*innen mit einem komplexen Netzwerk aus Entscheidungen, Fehlern und Interpretationen arbeiten müssen, das keineswegs unproblematisch auszuwerten ist. Die Rolle von Patient*innen als Akteur*innen statt als Datenmenge müsse dabei im Vordergrund stehen.

In einem gesonderten Vortrag berichteten Andreas Mertgens und Patrick Sahle über verschiedene Ansätze der Digitalisierung von Archiven, am Beispiel des Nachlasses des amerikanischen Soziologen Harold Garfinkel. Sie zeigten diverse Möglichkeiten, darunter etwa nonlineare Darstellungsformen oder die Nutzung neuer 3D-Scantechniken, um die Inhalte eines so umfangreichen Archivs für die Forschung nutzbar zu machen.

Die zweite Keynote der Tagung wurde von David Ribes von der Universität Washington gehalten. Unter dem Titel “The Logic of Domains” stellte er seine Überlegungen zur Universalität von Domänen und “Domänenunabhängigkeit” vor, die seiner Meinung nach eine wichtige Erklärung für den weitreichenden Siegeszug der Data Science bietet. Deren Fähigkeit, sich scheinbar ohne Probleme in alle möglichen Felder zu integrieren, läge nicht unerheblich daran, dass IT sich als “unabhängige” und modulare Wissenschaft verkaufen konnte.

Zum Abschluss des Tages wurde Prof. em. Dr. Helmut Schanze anlässlich seines 80. Geburtstages mit einer Laudatio und einem Sektempfang geehrt. Schanze war als Germanist und Medienhistoriker wegweisend und begründend für die Medienforschung an der Universität Siegen. Er hatte hier 1985 den Sonderforschungsbereich “Bildschirmmedien” mitbegründet, dessen Sprecher er von 1992 bis 2000 war. Seine Leistungen für die deutsche Medienwissenschaft wurden vor internationalem Publikum besonders geehrt.

Der dritte und letzte Tag der Jahrestagung begann mit dem Themenbereich “Opening Data: Policies and Practices of Research Data Management”. Die drei Vorträge dieses Bereichs behandelten das hochaktuelle Stichwort “Open Data” kritisch und hinterfragten Methoden und Prämissen offener Forschungssysteme. Gaia Mosconi von der Universität Siegen wies in “Three Gaps in Opening Science” auf signifikante Probleme in der Umsetzung “offener Wissenschaft” hin. Inkongruenzen zwischen Konzept und Praxis seien dabei ebenso zu bedenken wie ein Mangel an Werkzeugen und Arbeitsprozessen. Ähnlich kritisch äußerte sich Prof. Wolfgang Kraus von der Universität Wien in seinem Vortrag “Setting up an ethnographic data archive”. Bekannten Prämissen von “Open Data” über Universalität und Eigentümerschaft von Daten setzte er ethnographische Positionen entgegen. Explizit warnte er vor einer “verallgemeinernden” Datennutzung, die Kontext oder Hintergründe der gesammelten Daten außer Acht lässt. Das Konzept der Offenheit selbst kritisiert dann schließlich Dr. Marcus Burkhardt von der Universität Siegen in “Open Equals Good?”. Anstatt “Offenheit” als klar definierte Eigenschaft oder Selbstzweck zu akzeptieren, ging Burkhardt den Schritt zurück zur Frage, ob und wie “Offenheit” als Konzept und Ziel von Wissenschaft und Gesellschaft existieren kann.

Im letzten Themenbereich, “Quantifying Literary Theory”, wurden datenanalytische Methoden im Bereich Literatur und Sprache näher dargestellt. Dr. J. Berenike Herrmann von der Universität Basel fasste in ihrem Vortrag “Lovely! Books” erste Resultate eine Studie zusammen, die über eine Million Online-Buchrezensionen von Laienkritiker*innen mit datenanalytischen Methoden auf Vokabular und Wertschätzungen hin untersuchte. Plattformen wie lovelybooks ermöglichen dabei, so Herrmann, eine neue Form ästhetischer und inhaltlicher Literaturkritik durch eine große Menge an Nutzer*innen. Im letzten Vortrag der Tagung ging es um die Schnittstelle zwischen Sprache und Musik: Prof. Mathias Scharinger von der Universität Marburg erklärte, wie das Konzept der “Sprachmelodik” durch neue Methoden der Datenanalyse wissenschaftlich fassbar gemacht werden konnte. Mehr-dimensionale Ansätze ermöglichen neue Erkenntnisse über Ästhetik und Musikalität im menschlichen Sprachgebrauch.

Damit kam die vierte Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs “Medien der Kooperation” zum Ende. In 20 Vorträgen hatte sich gezeigt, wie weitreichend das Feld der Datenpraktiken untersucht werden kann, und wie viele Erkenntnisse für die unter-schiedlichsten Fachbereiche sich aus solchen Untersuchungen ergeben können.

17. September 2019
SFB-Jahrestagung 2019 mit internationalen Gästen
Vom 24. bis 26. Oktober 2019 lädt der SFB „Medien der Kooperation“ zu seiner vierten Jahrestagung...
SFB-Jahrestagung 2019 mit internationalen Gästen

Vom 24. bis 26. Oktober 2019 lädt der SFB „Medien der Kooperation“ zu seiner vierten Jahrestagung ein. Unter dem Titel „Data Practices: Recorded, Provoked, Invented“ widmet sich die Tagung in sechs Sektionen den gegenwärtigen Herausforderungen praxeologischer Medienforschung in verteilten digitalen Infrastrukturen. Was macht eine Datenpraxis aus? Wie verändern digitale Medien unsere Auffassung von Praxis? Welche Formen der Kooperation werden durch Datenpraktiken ermöglicht? Was sind die historischen Möglichkeitsbedingungen aktueller Datenpraktiken? Und wie sind menschliche und nichtmenschliche Handlungsträger in datengesättigten Environments miteinander verschränkt? Diese und weitere Fragen werden auf der Jahrestagung zusammen mit internationalen Gästen diskutiert. Die interdisziplinären Beiträge reichen von theoretischen und historischen Reflexionen über empirisch-ethnografische Studien bis zu gestalterischen Interventionen.

Zwei Keynote-Vorträge von Celia Lury (University of Warwick) und David Ribes (University of Washington, Mercator-Fellow im SFB) laden zur Diskussion ein, außerdem werden die ersten Ergebnisse eines langfristig angelegten Projekts zur Digitalisierung und visuellen Erschließung des Harold Garfinkel-Nachlasses präsentiert (Andreas Mertgens, Patrick Sahle).

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11. September 2019
Videos der Tagung „Computing is Work!“ online
Hier sind die Aufzeichnungen der meisten Beiträge der Tagung "Computing is Work!", die vom 06. bis 08....
Videos der Tagung „Computing is Work!“ online

Hier sind die Aufzeichnungen der meisten Beiträge der Tagung „Computing is Work!“, die vom 06. bis 08. Juli 2017 in Siegen stattgefunden hat, nun direkt einsehbar. Keynote-Speaker der Tagung, die von Thomas Haigh und Sebastian Gießmann organisiert wurde, waren unter anderem Matthew Jones (Columbia University) und Fred Turner (Stanford).

09. August 2019
Veröffentlichung des Forschungsmagazin „future“ der Universität Siegen
Die diesjährige Ausgabe des Forschungsmagazin "future" ist mit dem  Themenschwerpunkt "Medien der...
Veröffentlichung des Forschungsmagazin „future“ der Universität Siegen

Die diesjährige Ausgabe des Forschungsmagazin „future“ ist mit dem  Themenschwerpunkt „Medien der Kooperation“ erschienen. Enthalten sind einige Beiträge von Forschenden des SFB „Medien der Kooperation die sich mit der Frage befassen, wie sich unsere Gesellschaft durch digital vernetzte Medien verändert hat.

17. April 2019
Bericht über das sechste Money Lab zum Thema „Infrastructures of Money“
Vom 7.-8. März 2019 wurde das sechste MoneyLab zum Thema "Infrastructures of Money" an der Universität...
Bericht über das sechste Money Lab zum Thema „Infrastructures of Money“

Vom 7.-8. März 2019 wurde das sechste MoneyLab zum Thema „Infrastructures of Money“ an der Universität Siegen ausgerichtet. Ein kurzer Bericht über die internationale Kooperationsveranstaltung mit dem Institute of Network Cultures (Amsterdam) findet sich auf http://www.uni-siegen.de/start/news/oeffentlichkeit/860836.html

26. März 2019
Imagefilm über den SFB 1187 „Medien der Kooperation“
Die Stabsstelle für Presse, Marketing und Kommunikation der Universität Siegen hat einen Imagefilm...
Imagefilm über den SFB 1187 „Medien der Kooperation“

Die Stabsstelle für Presse, Marketing und Kommunikation der Universität Siegen hat einen Imagefilm über den SFB 1187 „Medien der Kooperation“ produziert. Darin kommen neben den SprecherInnen Prof. Dr. Tristan Thielmann und Prof. Dr. Carolin Gerlitz die LeiterInnen und MitarbeiterInnen der Teilprojekte A06 („Visuell integrierte klinische Kooperation“), A04 („Normale Betriebsausfälle: Struktur und Wandel von Infrastrukturen im öffentlichen Dienst“), B05 („Frühe Kindheit und Smartphone. Familiäre Interaktionsordnung, Lernprozesse und Kooperation“) und A05 („Kooperative Herstellung von Nutzerautonomie im Kontext der alternden Gesellschaft“) zu Wort und diskutieren Aspekte ihrer laufenden Forschung. Das abschließende Statement kommt von William Uricchio, Professor of Comparative Media Studies am MIT in Boston.

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